Leseprobe

KLIPP KLAPP - UND DU BIST TOT

„Elisabeth Schwintowsky?" Ihr Herz rutschte in die Hose. Unsicher erhob sie sich von ihrem Stuhl und überlegte, warum es eigentlich hieß: ein Herz rutscht in die Hose. Es klopfte vielmehr laut in ihrer Brust. Mit ihrer Hose war soweit alles in Ordnung. Weshalb hatte sie auch auf ihre Schwester gehört. Emmi war es, die sie vor zwei Stunden zu dieser engen Bluse überredet hatte. Bei jedem Herzschlag drohte ein Knopf abzuplatzen. Ein bisschen Sex kann nicht schaden. Blödsinn!

 

 

PROLOG

Montag, 23. Oktober 2000

 

Nur noch einmal schlafen, dann ist es so weit, dachte Darleen glücklich, als sie ihre Handtasche von der Anrichte nahm und darin behutsam einen Strauß Rosen verstaute. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Zufrieden schaute sie sich in dem kleinen Blumengeschäft um. Ein stolzes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie all die kleinen und großen Dinge betrachtete, die sie mit viel Mühe in den letzten Monaten herbeigeschafft und an genau den richtigen Platz gestellt hatte. Dieser Laden war ihr Leben, die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Sie schloss die Augen und sog den Duft ihres Erfolgs tief in sich ein. Es roch nach Blüten, Erde und geöltem Holz.

 

Zehn Jahre hatte sie geschuftet und jeden Cent gespart, bis sie sich dieses winzige Geschäft leisten konnte. Ihre Freundinnen waren tanzen gegangen, hatten sich mit Jungs amüsiert, während sie nebenbei für ihr Studium büffelte. Aber es war die Mühe wert. Mit dem nötigen Know-how, einem grünen Daumen und zwei geschickten Händen hatte sie sich ein kleines Paradies inmitten der anonymen Discounter und seelenlosen Großmärkte geschaffen. Die Kundschaft schätzte das und kam zahlreich.

 

Liebevoll strich sie über die Plastikfolie, die sie sich jetzt über den Arm legte. Weißer Taft schimmerte seidig durch den milchigen Kunststoff. Ihr Herz schlug höher, als sie den Brautstrauß auf dem Tisch stehen sah. Am Nachmittag hatte sie ihn fertiggestellt - nicht für eine Kundin oder Freundin, sondern für sich selbst: Darleen Kutscher. Morgen würde ihre Hochzeit sein.

 

Alles, wovon sie als kleines Mädchen geträumt hatte, sollte mit dem morgigen Tag wahr werden. Sie verschloss die Ladentür und trat freudig erregt in die Spätnachmittagssonne. Frau Schneider vom Gemüsegeschäft gegenüber grüßte sie freundlich. Darleen blieb stehen und zupfte eine weiße Rose aus dem Strauß in ihrer Tasche. „Hier, Frau Schneider. Die ist für Sie. Wünschen Sie mir Glück für morgen!"

 

Lächelnd nahm die Gemüsehändlerin die Blume entgegen und hielt sie sich unter die Nase. Dann winkte sie der jungen Frau hinterher, die singend die Straße hinunterlief. Das blonde Haar wehte im Wind, als sich Darleen Kutscher umdrehte und der Welt ihr strahlendes Gesicht zeigte. Es war das letzte Mal, dass man sie lebend sah. Niemand wusste, dass ihr Körper nur wenige Stunden später im Mühlbach liegen würde ... tot, in einem zerrissenen Brautkleid, eine verblühte weiße Rose in der Hand. Niemand wusste es. Selbst ihr Mörder hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung ...

 

 

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Ein herzliches DANKESCHÖN geht an Christopher Caine für die großartige Gestaltung des Covers. 

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)