2: DIE AUTORIN

Von "Our Darkness" der 1980er zur urbanen Fantasy im Jahre 2016

 

MM: 1986 - 1993

Während immer deutlicher wurde, dass ich einen Roman für eine „besondere“ Zielgruppe schreiben wollte, entstand so langsam ein Bild meiner Protagonistin. Klar war, dass es ein Mädchen sein soll, welches sich in einer Art Verwandlung befindet. Was liegt also näher als die Pubertät?! Und auch wenn ebenjene bei uns Frauen naturgemäß zeitlebens andauert, kam logischerweise eine Mitvierzigerin, die weitgehend im Leben steht, nicht in Betracht.

 

Also versuchte ich mich zu erinnern, wie es war … damals … als Teenager … als ich meine Individualität suchte, mein Aussehen gefühlt jede Woche neu erfand und auf Teufel komm raus anders sein wollte, als alle anderen, um dann doch die Geborgenheit unter Gleichgesinnten zu finden. Wie es sich anfühlte, bis zur Unkenntlichkeit geschminkt, die Haare farbenfroh, die Klamotten düster … in der S-Bahn von der breiten Masse schief angeschaut oder gar angepöbelt zu werden. Dieser emotionale Zwiespalt aus Stolz und Unsicherheit. Ich erinnerte mich daran, dass mit vierzehn, sechszehn, achtzehn … nichts mehr so war, wie ich es noch ein paar Monate zuvor empfunden hatte. Ich vertraute niemandem, verabscheute das Altbewährte, verurteilte jede Form der Angepasstheit, hasste natürlich meine Mutter, die mir das Makeup und die Blondiercreme wegnahm, meine mühevoll schwarz gefärbten Klamotten in den Müll warf und sich über die furchtbar düstere Musik aufregte, die aus meinem Sonett-Kassettenrekorder dröhnte. Dabei war ich superglücklich, dass ich überhaupt ein Tape von The Cure besaß, was zu DDR-Zeiten Gold wert war.

 

Ja, nachdem ich mit Punks und Teds aufgewachsen war, fand ich mit vierzehn endlich die Erlösung im New-Romantic-Zeitalter. Wir schrieben das Jahr 1986 und „Our Darkness“ war nicht nur ein Song von Anne Clark, sondern eine Philosophie. Die Angst vor einem atomaren Krieg war allgegenwärtig. Endzeitdramen wurden quasi am Frühstückstisch entworfen. Geflüchtet wurde sich in eine Scheinwelt. Die Fantasy war geboren! Wer sich also – heute jung an Jahren – fragt, wie ich (Jahrgang 1972) in die Fantasy-Ecke komme: Ich war dabei, als sie erfunden wurde. :-)

 

 

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Das Original stammt aus dem Jahre 1984. Anne Clark war für mich die Vertreterin der Avantgarde. Quelle: YouTube

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)