7: FSK 16 

Zur Fantasie bedarf es ein Quantum Erfahrung über die dunkle Seite des Lebens

 

Nachdem nun klar war, dass ich ein Buch für Fantasiebegabte schreiben würde und sich aus einer Idee nach und nach eine Geschichte entwickelte, war es vor allem eine Begegnung, die mich zum Nachdenken anregte. Mein Stiefsohn Hannes hatte seinen Klassenkameraden erzählt, was ich in meiner Schreibstube so treibe. Und so kam es, dass mich bei einem Schulausflug in den Berliner Reichstag insbesondere die Mädchen aus Hannes‘ Klasse fragten, was ich als nächstes schreiben würde. Da ich es mit Sechstklässlerinnen zu tun hatte, war ich ehrlich gesagt etwas überfordert und antwortete: „Für meine Bücher müsst ihr noch etwas älter werden“. Blöde Antwort, ich weiß. Schließlich haben Zwölfjährige schon mit der beginnenden Pubertät zu kämpfen. Wenn die Pickel sprießen, Haare dort wachsen, wo sie niemand braucht, Hormone lavaartig aus dem Nichts erscheinen, die schlechte Laune einfach so ausbricht, das Türenknallen quasi zum Alltag gehört und man es kaum abwarten kann, endlich erwachsen und unabhängig zu sein … dann will man natürlich niemals nicht hören: „Dafür bist du noch zu jung“.

 

Auch wenn ich zu gegebenem Anlass immer mal wieder der Meinung bin, dass die Pubertät als solche abgeschafft werden sollte und das Alter zwischen zwölf und sechszehn gleich mit, weiß ich doch schließlich, dass jedes Alter seinen ganz eigenen Charme hat. Naja, sagen wir so: ab sechszehn wird es spannend, ab zwanzig beginnt das Leben richtig, mit dreißig weiß man endlich, wer man ist … und mit vierzig kann man sich seine Individualität dann auch endlich leisten. Kurzum: alle Phasen des Lebens haben Vor- und Nachteile, und wir sollten jede davon in all ihrer Schönheit genießen und nutzen. Diese und insbesondere die Überlegung, dass Bücher leider keinen Jugendschutzrichtlinien folgen müssen, haben mich dazu bewogen, diese Anmerkungen in Band 1 von MondZauber zu schreiben:

 

Anmerkungen der Autorin

 

Die Kunst des Lebens besteht bekanntlich darin, das Kind in uns zu bewahren. Das Verflixte am Jungsein ist wiederum, dass man es kaum erwarten kann, bis diese Zeit endlich vorüber ist. Und dann sehnt man sich sein ganzes Leben lang danach zurück. Wer das „Sehnsuchtsalter“ nunmehr erreicht hat, der kann nachvollziehen, dass es gewisse Dinge gibt, die man erst dann versteht, wenn man sie erlebt hat oder zumindest alt genug ist, sie sich vorzustellen. Denn auch zur Fantasie bedarf es ein Quantum Erfahrung über die dunkle Seite des Lebens, die menschlichen Abgründe, die tierischen Instinkte, das Archaische, das in uns allen lauert.

 

Und natürlich ist es besser, das „Böse“ ausschließlich in konservierter Form kennenzulernen – gebannt zwischen den Seiten eines Buches. Doch leider hält die Realität genügend Schattenseiten parat. Umso mehr sollte ein Kind die unbeschwerte Zeit genießen, die ihm bleibt, und sich mit dem zufriedengeben, was es hat und wer oder was es ist. Uns allen würde dies im Übrigen gut zu Gesichte stehen.

 

Wenn nun also auf dem Cover dieses Buches steht „Ein Kunstmärchen für Fantasiebegabte“, dann meine ich damit Leser, die mindestens das 16. Lebensjahr erreicht haben.

 

Als Freigeist halte ich im Allgemeinen nichts von Begrenzung. Dennoch setze ich mich ein für die Altersbeschränkung (FSK) bei Büchern. Lasst uns gemeinsam auf unsere Kinder achten – sie sind unsere Zukunft!

 

Mari März, im Juli 2016

 

 

Und hier ein Musiktipp - Chopin geht immer beim Schreiben. :-)

 

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)