SUMM SUMM 

Warum warst du stumm?

 

 

 

Bald geht es weiter mit Elisabeth Schwintowsky. Die Ermittlungen führen sie im zweiten Teil der Rache-Trilogie zurück nach Berlin. In der Damentoilette eines Museums wird die blutige Leiche eines Mannes entdeckt. Der Auftakt zu einer Mord-Serie ...

 

Leseprobe 

Donnerstag, 21. März 2002

 

Die Leuchtstoffröhre in der Toilette eines Berliner Museums hatte wohl auch schon bessere Zeiten erlebt. Altersschwach stellte sie immer wieder den Dienst ein, entschied sich dann scheinbar anders und warf ihr fahles Licht kalt und leidenschaftslos auf das ungleiche Paar unter sich. Die Stimme einer Frau war zu hören. Sie sang. Ja, tatsächlich: sie sang ein Lied, während das heftige Keuchen des Mannes vor ihr den Takt angab. Breitbeinig saß er auf dem zugeklappten Toilettensitz in der engen Kabine. Das hellblaue Hemd, das ansonsten akkurat und faltenfrei im Bund seiner Hose steckte, hing nun zerknittert zu beiden Seiten seines entblößten Körpers. Die kleinen Härchen auf seiner Brust hatten sich aufgestellt, sein durchtrainierter Bauch bebte.

 

Die Leuchtstoffröhre legte erneut eine Pause ein. Nur der leise Gesang der Frau war im Zwielicht der kalten Zelle zu hören … und das Keuchen des Mannes, welches nunmehr in ein ekstatisches Stöhnen überging. Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt. Ein dünner Speichelfaden löste sich gerade von seiner Oberlippe. Augenscheinlich schien er zu genießen, was die Dame tat, die vor ihm auf den nackten Fliesen kniete. Die Erektion zwischen seinen Beinen bestätigte das.

 

Rotlackierte Fingernägel kratzten sanft über die empfindliche Haut seiner Leiste. Er hob die rechte Hand und legte sie behutsam auf den weizengelben Schopf der Dame, dann verkrampften sich seine Finger. Ein blondes Haar verfing sich in der verschwitzten Rundung seines Eherings.

 

Wieder flackerte das grelle Neonlicht auf. Eine Tür wurde geöffnet. Die Frau in der Zelle erhob sich langsam und verschloss die Lippen des immer noch stöhnenden Mannes mit einem Kuss. Den Hauch seines schwächer werdenden Atems sog sie auf wie kostbaren Wein. Das Licht der Leuchtstoffröhre erstarb. Dann wurde es dunkel. 

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)