Ver(-)rückte Wahrheiten

Tagebuch einer Übriggebliebenen

Historisches und Biografisches aus den Zeiten vor und nach dem Fall der Berliner Mauer ...

 

 

Im Frühjahr 2011 begann ich damit, die ersten Zeilen dieses Briefromans zu schreiben. Damals erhielt meine Freundin die furchtbare Diagnose: Darmkrebs. Seinerzeit wollte ich sie mit meinen Geschichten dazu bringen, am Leben festzuhalten. Leider ist es mir nicht gelungen. 

 

Klappentext: 

 

Mia ist 39 und lebt nicht nur einfach in Berlin, sie ist hier geboren und im wahrsten Sinne des Wortes übriggeblieben. Kürzlich hat sie ihre beste Freundin Ella verloren. Nicht einfach so, wie man seine Brieftasche verliert oder die Brille. Ella ist weg. Für immer. Und so muss Mia diesen Sommer allein verbringen. Allein. Mitten in Berlin. Als Berlinerin zwischen all den Nicht-Berlinern, den Zugereisten und Möchtegerngroßstädtern, die so furchtbar hip sind. Und politisch korrekt. Und retro. Allein. Als Single zwischen ihren Freundinnen. Den Ehefrauen und Müttern, die so verdammt glücklich sind. Und gemeinsam. Und bio. Allein.

 

Mia beginnt, ihrer Freundin in Briefen von ihrem Alltag zu berichten. Von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Gefühlen. Von Dingen, die sie auf die Palme bringen. Von den zwei Seiten der Medaille. Den „ver-rückten Wahrheiten“, wie ihre Freundin es immer nannte.

 

Wie froh bin ich, dass ich weg bin! Das war der erste Satz, der mir durch den Kopf ging, als ich am Pförtner vorbei auf die Straße trat. Naja, also nicht so, wie der junge Held in dem berühmten Briefroman von unserem großen deutschen Dichter und Denker. Schließlich werde ich mich aus Liebeskummer nicht erschießen. Obwohl! Über Liebeskummer könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Aber erschießen?

 

Als Mia diese, ihre ersten Zeilen schreibt, merkt sie, dass es sie befreit, endlich wieder mit ihrer Freundin zu reden. Wenn auch auf eine ganz andere Art und Weise.

 

Kapitel 8: Der Berliner Friedrichshain und seine Metamorphose

 

Liebste Ella!

 

Da bin ich wieder. Für heute habe ich mir auf meiner Reise in die Vergangenheit den Friedrichshain ausgesucht. Hier habe ich mir zunächst einmal ein schönes einsames Frühstück gegönnt.

 

Was an sich ganz einfach klingt, wurde schließlich zu einem Projekt - vergleichbar mit der berühmten Nadel und dem Heuhaufen. Denn mittlerweile gibt es so viele Kneipen, Restaurants und Bars im Friedrichshain, dass die Auswahl wirklich schwerfällt. Und Touris und Zugereiste findet man an jeder verdammten Ecke – von der Simon-Dach bis rund um das alte RAW-Gelände. Ohne Frage sind hier wirklich tolle Locations entstanden. Aber will ich da hin? Wer in Berlin groß geworden ist, der sehnt sich nicht nach dem Mainstream, sondern sucht vielmehr nach Gleichgesinnten und Vertrautem. Unsere Welt dreht sich viel zu schnell, weshalb wir bisweilen einen Anker brauchen, der uns das Gefühl von Heimat vermittelt – hier, in dieser einzigartigen Stadt mit ihrer nie enden wollenden Metamorphose. 

 

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Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)