Blog & Co.

ARM + MUT = ARMUT???

 

Freitag, 20. Februar 2015

 

Als ich gestern während des Abendessens in den Fernsehnachrichten von der Veröffentlichung des so genannten Armutsberichtes hörte, blieb mir doch fast die Stulle im Halse stecken. Was soll das? Wem nützen Aussagen, wie „Die Statistik zeige einen klaren Trend zur Armutsverschärfung …“ Was soll dieses „arm“ eigentlich bedeuten …  hier in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt?

 

Laut diesem Armutsbericht gelten alle Menschen als arm, „deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland beträgt.“

Des durchschnittlichen Bruttoeinkommens in Höhe von über 40.000 Euro im Jahr? 

 

Wird der Wert eines Menschen nach der Größe seiner Brieftasche gemessen?

 

Meine Mutter hat zu DDR-Zeiten mit einem monatlichen Lehrergehalt von ungefähr 700 Mark drei Kinder allein großgezogen … ohne staatliche Transferleistungen und ohne Gejammer. Heute erhält sie nicht viel mehr Rente. Ist sie deshalb arm?

 

Meine Schwestern hatten in der 1990ern kaum das Geld, um ihren Söhnen etwas zum Geburtstag zu schenken. Sie aßen lieber Trockenbrot, um ihrem Nachwuchs die Schokolade und die Klassenfahrt finanzieren zu können. Waren sie deshalb arm?

 

Ist die alleinerziehende Mutter, die halbtags im Supermarkt an der Kasse sitzt oder im Friseurladen steht, arm?

 

Sind die Kinder in Deutschland arm, deren Eltern sich lieber um sich selbst und ihre Saufkumpane kümmern, als um Bildung und gesunde Ernährung?

 

Was soll diese Stigmatisierung? Können diese Menschen sich von ebendiesen Schlagzeilen „Die Kluft zwischen armen und reichen Bundesländern nimmt laut Wohlfahrtsverbänden deutlich zu.“ irgendetwas kaufen?

 

Ich selbst habe so einige finanzielle Durststrecken hinter mir. Mit einem monatlichen Einkommen unterhalb des Sozialhilfesatzes ernährte ich mich im Jahre 1997 wochenlang von Reis und Äpfeln, um mir wenigstens meine Zigaretten leisten zu können. Und … fühlte ich mich deshalb arm? Heute arbeite ich 60 Stunden plus in der Woche, verdiene einen Bruchteil meines früheren Angestelltengehaltes und falle ebenfalls unter dem Begriff „arm“.

 

ABER ICH BIN NICHT ARM!

Und ich verbitte mir, von irgendwelchen Bürokraten so betitelt, abgestempelt und in eine Schublade gesteckt zu werden.

 

Wann hören wir auf, uns mit derart negativen Schlagzeilen selbst herunterzuziehen? Wo bleibt die Motivation für die Mutter von sechs Kindern, die mit staatlichen Zuschüssen mehr Geld hat, als wenn sie arbeiten würde? Was soll aus Kindern werden, die laut irgendeiner Statistik gutverdienender Beamter als „arm“ bemitleidet werden sollen? Warum beginnen wir nicht endlich damit, uns gegenseitig Mut zu machen. Honorieren wir doch mal langsam die Leistung des Einzelnen, hören auf zu jammern und definieren Armut nicht danach, was ein Mensch im Monat „verdient“.

 

Arm ist nur der, der sich aufgibt, der perspektivlos vor sich hin vegetiert und immer nur „die anderen“ für sein persönliches Schicksal verantwortlich macht.

 

All jene Friseure, Angestellte im Einzelhandel, Teilzeitkräfte, Hilfsarbeiter und Gelegenheitsjobber, Freiberufler und Selbständige …, die mutig und eigenverantwortlich ihr Leben bestreiten, sind verdammt noch mal nicht „arm“!

 

Liebe Wohlfahrtsverbände, liebe Medien, liebe Politiker (vor allem die, die sich die Solidarität dick und rot auf die Fahne geschrieben haben): Hört auf und schämt euch für eure dekadente Doppelzüngigkeit und denkt an die Menschen, die im Bombenhagel ihr Haus, ihre Familie, ihr Hab und Gut verloren haben … in Syrien, im Gaza-Streifen, in Afrika, Afghanistan, auf dem Balkan … in der Ukraine! Denkt an die Überlebenden, die nach Erdbeben, Hochwasser, Dürre, Epidemien, Tsunamis und Hurrikans menschenunwürdig ihr Dasein fristen! Denkt an 1,4 Millionen Kinder, die allein jährlich in Indien verhungern. Denkt an die Millionen, die verrecken, weil ihnen nicht einmal das Wasser zur Verfügung steht, mit dem wir mehrfach täglich unsere westeuropäische Wohlstandsscheiße die Toilette hinunterspülen!

 

Denken wir alle an die Menschen, denen es viel schlechter geht als uns und daran, wie wir ihnen in der Not helfen können – ohne auch nur einen davon in die Schublade zu stecken, auf der „arm“ steht.

 

Arm ist nur der, der seinen Mut, seine Liebe und Hoffnung verloren hat.

 

In diesem Sinne …

Eure/Ihre Mari März

 

 

Wie denkt Ihr über das Thema? Schreibt mir Eure Meinung in meiner Mecker-Ecke

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Mari März (2014 - 2017)