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Wer hat an der Uhr gedreht?

Montag, 28. Oktober 2013

 

So. Da ist es also wieder so weit. Das Ende der „Daylight Saving Time“. Und jedes Jahr dieselbe Fragerei: Eine Stunde vor oder zurück… oder wie war das jetzt gleich noch mal??? Der Witz ist ja, dass alle darüber lamentieren, aber zu guter letzt vergessen wir doch, die Uhren umzustellen. Die Schlauen unter uns haben Funkwecker, damit sie wenigstens am Montag nicht verschlafen oder zu früh ins Büro fahren. Je nachdem.

 

Das Schlimmste für mich an dieser Uhrenzurückodervordreherei ist, dass ich alle halbe Jahre entweder der Zeit hinterherhinke oder mir selbige davonrennt. Es gibt bestimmt furchtbar kluge wissenschaftliche Studien darüber, wie der Biorhythmus aus dem Takt gerät und so. Aber das ist mir wurscht. Immer, wenn ich mich gerade auf die neue Zeit eingestellt habe, muss ich schon wieder am Rad drehen. So wie eben gestern.

 

Auch der Wecker hat am Sonntag in der Regel einen freien Tag, sodass man einmal nicht piepender Weise aus dem Schlaf gerissen wird. Entspannt erwachte ich also mit Blick auf meine kluge Funkuhr. Mein Stiefsohn kam gerade aus seinem Zimmer. Es war 8.30 Uhr. Oder doch nicht? Keine Ahnung. Es war Sonntag. Wen interessiert da die Zeit.  Mein Mann war auf Dienstreise. In dem leeren Bett wurde es mir zu langweilig. Also stand ich auf.

 

Sohnemann war vertieft in Whats up, Minecraft, Need for Speed und was es da noch so im Angebot für Elfjährige gibt. Die Frage nach etwaig ausstehenden Hausaufgaben beantwortete er mir mit einem undefinierbaren Knurren. Aber ich ließ ihn. Hatte der gute Junge doch in der Zwischenzeit großartig selbständig gefrühstückt. Und ich hatte die Küche allein für mich und meinen Kaffee. Was will man mehr, der Tag ist doch noch lang. Ich schaute auf die Küchenuhr. Halb elf??? Bevor die Adrenalinausschüttung in meinem Körper überhaupt stattfinden konnte, fiel es mir wieder ein. Ich trank meinen Kaffee und ging dann durch‘s Haus, um alle Uhren auf Vordermann zu bringen.

 

1907 hat ein Sir William Willett diesen Quatsch vorgeschlagen. 1916 waren wir Deutschen die Streber, die es kurzzeitig umsetzten. Und seit 1977 praktiziert zumindest Europa die Kurbelei an unseren Zeitmessern… wegen der Ölkrise und so. Ha, der Durchschnittshaushalt hatte damals vielleicht ein bis drei Uhren. Kurz ein Dreh am Rädchen und fertig.

 

Und heute? Hallo? Ich habe eine geschlagene Stunde damit zugebracht, zuerst die normalen Wand- und Steh-Uhren, dann die Armbanduhren, die Uhr an der Kaffeemaschine, der Musikanlage, die Zeitschaltuhren der Außenjalousien, die Zeitanzeige an zwei Festnetztelefonen, dem Zahnbürsten-Smiley-Dingsda, den Wecker im Kinderzimmer ... umzustellen. Hat mal irgendjemand irgendwann daran gedacht, dass wir diese Stunde, die uns quasi geschenkt und im Frühjahr wieder genommen wird, damit verbringen, unsere Zeitmesser upzudaten?

 

Dieses Gesetz aus Hippiezeiten hat einen langen Bart, und der gehört endlich abgeschnitten!!! Verdammt, mir fällt gerade ein, dass die Uhr in meinem Auto noch falsch läuft.

 

Ich muss los …

Ihre/Eure Mari März

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)