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Elternchat

Montag, 18. November 2013

 

Nachdem unsere Wonneproppen nun leider nicht mehr wonnig und propper sind, sondern eher zu Pickeln, schlechter Laune und Vergesslichkeit neigen, müssen wir Eltern stärker aus dem Hintergrund agieren.

 

Als Stiefmutter sausen mir keine oder wenig Mutterhormone durch die Blutbahn, also darf ich sagen, dass ich in vielen Augenblicken ... (wie sagt man das politisch korrekt) ... unaufgeregter bin. Aber was das Lernen anbelangt, bin ich streng wie ebenjene im Märchen der Gebrüder Grimm.

 

Nun gestaltet sich die Vermittlung von Wissen manchmal nicht so leicht, wie wir Alten uns das vorstellen. Bei dem Spruch „wir haben das aber damals so und so gelernt", gähnen unsere Kinder gelangweilt. Aber auf die Frage „Wie lernt ihr das denn heute in der Schule?" kommt meistens nur gefährliches Halbwissen oder Schweigen oder unverständliches Genörgel. Die Kontrolle des Inputs unserer lieben „Kleinen", die heute leider notwendig ist, wird insofern zur Herausforderung.

 

Gerade die Sache mit den Hausaufgaben ist ein guter Grund, erst einmal ein Glas Prosecco zu trinken und tief durchzuatmen. Ein Dialog am Nachmittag sieht meist wie folgt aus:

 

„Habt ihr Hausaufgaben auf?"
„Weiß nicht."
(Die Kinder erhielten die Information vor einer, maximal fünf Stunden!)
„Was steht in Deinem Hausaufgabenheft?"
„Muss ich gucken... Bio soll ich was machen. Aber ich weiß nicht, was."
„Du hattest doch gerade Unterricht. Kannst du dich nicht erinnern?"
... 20 Minuten später ...
„Ich glaube, ich soll das so machen. Aber genau weiß ich es nicht."
„Komm, wir sehen mal in deinem Bio-Buch nach."
„Das liegt in der Schule."

 

Im letzten Schuljahr haben wir es auf die herkömmliche Art und Weise mittels der patentierten Erfindung von Alexander Graham Bell versucht. Wir haben sogar noch Faxe geschickt mit der jeweiligen Aufgabenstellung. Wir haben alle Telefonjoker verspielt... bis eine aus unserer Mitte eine geniale Idee hatte, den logistischen Durchbruch, quasi das Licht am Ende des Tunnels: ELTERNCHAT über diese W-App auf dem Smartphone.

 

Seither bimmelt mein kluger Funkknochen, was das Zeug hält...

 

@ Mathe, Seite 69, Nr. 16 a, b ist zu Mittwoch auf oder wisst Ihr was anderes?

@ HA ist zu Dienstag.

@ Nee, HA ist zu Mittwoch. Dienstag ist doch Geometrie.

@ Ich dachte, Berichtigung der letzten Mathearbeit?

@ Schon erledigt.

@ Mein Sohn sagt, eine Stunde Mathe und eine Geometrie. Also doch zu Dienstag?

@ Mein Tochter sagt „nö".

@ Das mit der Gruppenapp klappt ja! Einfach Mathe-HA heute machen und morgen
   alles für Geometrie einpacken. Dann kann nichts schief gehen.

@ Was war jetzt mit Bio? Schreiben die morgen den Test oder sollte nur gelernt
    werden?

 

So oder so ähnlich ist die allabendliche Lektüre der ungelösten Ist-Zustände. Na, wenn das kein Fortschritt ist?! Auf jeden Fall haben wir Spaß dabei und die Gewissheit, dass nicht nur unser Kind den Sinn des Hausaufgabenheftes noch nicht ganz kapiert hat. Vielleicht sollte man dafür mal eine App entwickeln???

 

Naja, wir halten durch. Und bis zum nächsten Schuljahr haben wir unsere Kinder so weit, dass sie ihren eigenen HA-Chat praktizieren.

 

Oh... bei mir klingelt es schon wieder.

 

Bis die Tage

Ihre/Eure Mari März

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)