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Erinnerung ...

Montag, 6. Januar 2014

 

Erst einmal wünsche ich Ihnen/Euch, liebe Leser, ein gesundes und unvergessliches 2014.

 

Zunächst wollte ich meine erste Kolumne im neuen Jahr den alljährlichen guten Vorsätzen widmen. Das muss aber warten. Aus aktuellem Anlass habe ich mich dafür entschieden, über ein weitaus ernsthafteres Thema zu schreiben als über zu viel Fett, Alkohol, Nikotin oder zu wenig Fitness und gesundes Essen etc.

 

Ein junges Mädchen – schön, attraktiv, intelligent – hat sich am 2. Januar 2014 aus dem 4. Stock eines Berliner Altbaus in den Tod gestürzt. Sie war gerade mal 23 Jahre jung. Es passierte nicht irgendwo, weit weg. Nein. Es geschah in der Wohnung meines Neffen. Morgens, gegen 6.00 Uhr, als er noch schlief. Geweckt hat ihn die Polizei, die die Wohnungstür aufbrach. Gefahr im Verzug. Ein Kripo-Beamter mit viel Feingefühl und ein Rettungsarzt mit dem nötigen Beruhigungsmittel standen in seinem Wohnzimmer und erklärten meinem Neffen, was gerade geschehen war.

 

Eine junge Frau, die auf den ersten Blick lebensfroh, immer fröhlich und aufgeschlossen schien, die ein Strahlen in jedes Haus brachte, hat das Bett gemacht, einen Abschiedsbrief geschrieben und ist gesprungen. Allein. Einsam. Aber einfach so?

 

Im Nachhinein ist man immer klüger. Natürlich gab es Anzeichen. Selbstverständlich war nahestehenden Menschen schnell klar, dass dieses hübsche junge Mädchen nicht immer nur „gut drauf“ war. Es gab auch eine ziemlich dunkle Seite. Wo Licht fällt, fällt eben auch Schatten.

 

Ich möchte nicht über Schuld schreiben. Dafür ist die menschliche Psyche viel zu komplex, als dass man sagen kann, dieses oder jenes Wort hat den Auslöser gegeben. Ich denke aber, dass wir uns allzu oft von Äußerlichkeiten täuschen lassen. Vielleicht sind gerade die fröhlichen und vermeintlich starken Menschen diejenigen, die tatsächlich einen zweiten Blick verdient haben. Das Thema Depression ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den Focus der Öffentlichkeit gerückt. Sportler und Schauspieler haben vor zum Teil traurigem Hintergrund dafür gesorgt.

 

Aber ist es nicht im täglichen Leben immer noch so, dass wir darüber schmunzeln, wenn jemand sagt, er hat Burn out, ist depressiv, überlastet und/oder fühlt sich unverstanden? Wir belächeln die Symptome, wie Lustlosigkeit, Aggressivität, Schlafstörungen usw. Schlimmstenfalls sagen wir: „Die/der schafft das schon. Die/der ist doch immer gut gelaunt und taff. Jeder hat doch mal eine schlechte Zeit.“ Oder wir tun es ab als dekadente Neurose: „Die/der hat einfach zu viel Zeit zum Grübeln.“
Ist es nicht so?

 

Ich denke, dass nicht vordergründig die Jammerbeutel unsere Aufmerksamkeit und Hilfe benötigen, sondern eben genau die Freunde, Familienangehörigen, Mitmenschen, die uns allen suggerieren: Ich bin witzig, ich bin klug, ich bin stark, ich schaffe das allein.

 

Sehen wir doch zukünftig noch besser hin, hören wir alle gemeinsam doch bitte genauer zu, wenn jemand zu uns kommt und um Hilfe bittet! Dieser Hilferuf ist gegebenenfalls subtil, aber er kostet diesen Menschen vielleicht die letzte Kraft. Auch wenn wir es nicht verstehen, nicht nachvollziehen können, was in diesem Menschen vorgeht. Ein freundliches Wort, ein offenes Ohr, eine Umarmung sind vielleicht schon ein Rettungsring.

 

Im stillen Gedenken an die, die uns verlassen haben - ob mutwillig oder unfreiwillig. Sei es ein junger Mensch, der gegebenenfalls jetzt endlich seinen Frieden gefunden hat, oder aber der Vater, die Mutter, der Bruder… sie alle bleiben uns unvergessen, wir tragen sie in unseren Herzen, in ewiger Erinnerung.

 

In diesem Sinne ...

Ihre/Eure Mari März 

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)