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Goucho-Gate

Der Fußball ist rund wie die Welt ...

Einstiges Führervolk entwickelt sich zu erfolgreichen Teamplayern.

 

Montag, 21. Juli 2014

 

Es ist kaum zu fassen. Da sind wir Weltmeister und schon wird geunkt, als wäre der Pott „Heim ins Reich gekehrt“.  Warum zum Teufel holt eigentlich immer irgendjemand die Holocaust-Geißel heraus, wenn Deutschland auf’s Siegertreppchen steigt und sich gemeinschaftlich freut? Und wer ist dieser „Jemand“ überhaupt? Die (Fußball-)Welt verneigt sich vor dem verdienten Gewinner dieser spannenden Weltmeisterschaft. Die Kicker-Stars finden ausschließlich positive Worte und Fußballlegenden schauen beschämt und besiegt auf des Rasens Grün.

 

Warum stellen wir unser Licht also wieder einmal unter den Scheffel? Wer hat die meisten Tore in dieser WM geschossen: Ronaldo (1), Messi (4), Neymar (4)? Schaut man sich die Fußballstatistik genauer an, so fällt pro Land gerne ein Name ins Auge, vielleicht auch zwei. Deutschland hat in dieser WM insgesamt 18 Tore geschossen, und zwar von ACHT verschiedenen Torschützen. Warum erzähle ich das? Weil hier ganz deutlich wird, dass wir Deutschen uns nicht mehr auf einen Mann an der Spitze, auf den Führer, verlassen. Das hatten wir schon, vor 70 Jahren. Erfolglos und mit unzähligen Toten.

 

Deutschland hat dazu gelernt. Deshalb ist es vollkommen unnötig, den Gaucho-Tanz unserer Jungs auf der Berliner Fanmeile nunmehr ins rechte Abseits zu schießen. Die digitalen Foren sind voll von Kommentaren zu den zahlreichen Zeitungsartikeln über das so genannte "Gaucho-Gate", einer so genannten "Respektlosigkeit gegenüber dem Finalgegner Argentinien". Hört das denn nie auf? Es gibt sogar schon einen Wikipedia-Eintrag dazu. Hier steht u.a. „Verhöhnung des WM-Final-Gegners mit einer deutlich rassistischen Tendenz. Die argentinische Sportzeitung Olé bezeichnete die Szene als polemisch und der Radiosender Continental in Buenos Aires nannte die Szene und die Attitüde die von ekelhaften Nazis.“ Reden wir von demselben Argentinien, dessen einstiges profaschistisches und antisemitisches Oberhaupt Juan Perón 1945 Nazi-Verbrechern, wie Eichmann und Mengele, Unterschlupf gewährte?

 

Dass Hitler und das Dritte Reich kein Meilenstein deutscher Geschichte sind, darüber sind denkende Menschen sich einig. Unbestritten. Ohne Widerrede. Kein Veto. Aber seither ist eine Menge Wasser die Elbe hinuntergelaufen. Deutschland ist Mit-Initiator und Financier eines geeinten Europas (ohne Panzer und Gaskammern). Deutschland schafft die Kernkraft ab. Deutschland ist Vorreiter im Umweltschutz. Deutschland ist nicht nur Weltmeister im Fußball, sondern auch im Export. Die ganze Welt kauft Produkte von SIEMENS, AEG, Mercedes, Adidas. Wer denkt hier an den kleinen Österreicher, seine Weltherrschaftspläne und ein Volk, das dumm genug war, den rechten Arm zu heben und verantwortungslos hinterherzulaufen? Niemand.

 

Deutschland, das einstige Führervolk, zeigte der Welt bei dieser Weltmeisterschaft, dass Personenkult nichts bringt, sondern nur Teamgeist und Zusammenhalt zum Erfolg führen. Mehr kann ein Volk nicht aus seiner Geschichte lernen. Oder?

 

Ich hätte mir gewünscht, dass die Presse sich auf das Wesentliche konzentriert. Und das ist diese eine Message, die wichtiger ist als Torchancen, Torschützen, Fouls und Schiedsrichterfehlentscheidungen...  und natürlich wichtiger als ein bisschen Gewinner-Persiflage, die zur Polemik avancierte.

 

Übrigens steht bei Wikipedia weiter: „Der Moderator Alexander Bommes meinte, dass man das Mikrophon niemals aus der Hand hätte geben dürfen.“ Ist das der Moderator, der wieder Wetter machen soll? Müllers Anspielung hierzu ist nicht zu einem Skandal ausgewachsen. Das Wetter ist zu wenig rechtslastig. Dabei hat der stocksteife ARD-Bommes wahrscheinlich über Müllers Kommentar mehr geweint, als alle Argentinier über unseren Gaucho-Tanz.

 

In diesem Sinne …

Eure Mari März

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)