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Hoch lebe der 1. Mai!

Donnerstag, 1. Mai 2014

 

Ja, hoch soll er leben! Warum eigentlich? Was bedeutet dieser „Kampf- und Feiertag der Arbeitsklasse“ für uns?

 

Wer in Berlin groß geworden ist, kann sich bestimmt noch gut an die Krawalle am Friedrichshain oder Kreuzberg in den 90ern erinnern. Hamburger denken an brennende Autos und Straßenbarrikaden in der Hafenstraße der 1980er.

 

Die letzten Zeitzeugen haben den Blutmai 1929 vielleicht noch im Gedächtnis oder dass der 1. Mai ausgerechnet auf Betreiben der NSDAP per Gesetz vom 10. April 1933 zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde.

 

Angehörige der Generation 35+ mit Migrationshintergrund DDR mussten jedes Jahr zur großen Maidemo. Damals war das Demonstrieren noch kein Recht, sondern eher staatlich verordneter Frohsinn. Wer ein langes Wochenende haben wollte, brauchte eine gute Ausrede. Für alle anderen hieß es, kurz nach Mitternacht in der Uniform der Diktatur des Proletariats am vorgeschriebenen Stellplatz sein Wink-Element entgegenzunehmen. Und zu lächeln. Und brav sein rotes Fähnchen vor dem alten Ete und seinem Kabinett der scheintoten Stalinkader zu schwenken.

 

Und heute? Die Jugend, die quasi evolutionär die Lizenz zur Revolution geerbt hat, ist mit Youtube und Facebook so überfordert, dass da keine Zeit für das Kämpfen bleibt. Höchstens für das Feiern.

 

Und wir? Die meisten von uns denken nur noch ans Ausschlafen und die Grillparty am Nachmittag. Wir hoffen, dass sich das Wetter hält und der Spätkauf noch geöffnet hat.

 

Sind wir deshalb Schlaffis, ignorant und übersättigt?

Vielleicht sind wir einfach nur zufriedener und wohlhabender geworden. Die Menschheit entwickelt sich gegebenenfalls doch zu einer Anzahl friedliebender Individuen. Schön wär’s ja.

 

Doch eines sollten wir zwischen Bratwurst und Maibowle nicht vergessen: Nicht für alle ist dieser Feiertag ein freier Tag. Denken wir an die Feuerwehrleute, die Polizisten, die Mitarbeiter der Kraftwerke, die Lokführer, Soldaten, Krankenschwestern, Ärzte, LKW-Fahrer, Altenpfleger…

 

Genießen wir also friedlich unser Feiertagsbier und denken an all die fleißigen Menschen, die für uns heute „an der Stanze“ stehen. Und vielleicht vergessen wir auch nicht die zahlreichen Opfer der Geschichte des 1. Mai. Sie alle sind dafür verantwortlich, dass wir einen wunderschönen Tag verbringen dürfen… naja, bis auf die Steineschmeißer, Bombenleger und Hakenkreuzfetischisten.

 

In diesem Sinne … allen da draußen einen schönen und friedlichen 1. Mai!

Eure Mari März

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)