Blogparade: Home-Office

Blogparade von Claudia Kauscheder

Kamerad Zufall hat mich auf die Blogparade „Wie geht’s dir mit dem Alleinsein im Home-Office?“ aufmerksam gemacht, in der die Initiatorin Claudia Kauscheder dazu aufruft, über gute und vielleicht sogar schlechte Erfahrungen im Single-Büro zu schreiben. Die indirekte Einladung hierzu greife ich heute gerne auf und berichte, wie es mir seit Oktober 2013 in meiner selbstgewählten Schreibstuben-Askese ergangen ist.

 

Zuallererst möchte ich feststellen: ES GEHT MIR SUPER! Seit knapp 25 Jahren stehe ich nunmehr an der „Stanze“, und ich muss sagen: Das Home-Office ist für mich der Berufshimmel auf Erden. Noch nie war ich so innovativ, kreativ und effizient. Im Vergleich zur Bürogemeinschaft im Angestelltenverhältnis ist die Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden – jedenfalls für mich – das reinste Paradies. Natürlich birgt die Arbeit im Alleingang vielseitige Gefahren … so ohne Kollegen, Chef und Rund-um-die-Uhr-Anweisungen.

 

Welche Vor- und Nachteile hat

das Arbeiten im Home-Office

und wie gehe ich damit um?

 

Im Aufruf zu ihrer Blogparade zitiert Claudia Kauscheder aus einem Erfahrungsbericht „alleine arbeiten, du kannst es auch Vereinsamung nennen …“ und wirft dabei folgende interessante Fragen auf. Auch wenn sich mein Blog ganz altertümlich „Kolumne“ nennt, will ich nun hiermit meinen Senf dazugeben:

 

Fühlst du dich alleine?

Niemals – ganz im Gegenteil! Theoretisch kann ich die friedliche Stille der Einsamkeit von 7.30 bis durchschnittlich 14.00 Uhr genießen. Doch die Realität sieht leider anders aus! Nicht selten wünsche ich mir, dass mein Mann einen 20-Meter-Turm auf unser Haus bastelt, damit ich tatsächlich meine Ruhe habe. Denn selbst wenn ich es schaffe, den Haushalt links liegen zu lassen, dann klingelt zumindest der Postmann … später der Hermes-Bote … zwischendurch das Telefon oder mein Handy. Allerdings werden die nervigen Zeitdiebe weniger. Okay, die mittlerweile etwas eingeschüchterten Mitarbeiter vom Paketdienst kommen dankenswerterweise immer noch, aber wenigstens habe ich nunmehr meine Familie und den engeren Freundeskreis davon überzeugt, dass ich keinerlei Unterhaltung benötige und äußerst ungern mitten im kreativen Gedankengang unterbrochen werde. Wenn ich beispielsweise mitten im Lektorat einer Dissertation im Fachbereich Philosophie endlosen Schachtelsätzen folge, müssen die weltbewegenden Probleme, wie „Wohin wollen wir dieses Jahr in den Urlaub fahren?“, „Soll ich noch etwas einkaufen?“ oder „Wann treffen wir uns zu Weihnachten?“ warten. Jedenfalls solange, bis die Schreibphase unterbrochen oder ein Projekt beendet ist. (Die meisten meiner Kunden wollen übrigens ausschließlich via E-Mail kommunizieren, was mir sehr entgegenkommt.) Auch wenn ich mir einrede, das Multitasking kein Märchen ist, erreicht ebenjenes Potenzial seinen Höchstwert, wenn am Nachmittag mein Sohn nach Hause kommt … hungrig, mitteilungsbedürftig und mit einem Sack voller Fragen bezüglich seiner Hausaufgaben, Klassenfahrt, Wandertag und/oder Freizeitbeschäftigung. Der Alltag frisst dann die Kreativität, und es ist an der Zeit, endlich meine Mutter zurückzurufen und meinem armen Kind etwas zu Mittag zu kochen.

 

Kurzum: Ich war schon immer gern allein. Meines Erachtens ist das die Grundvoraussetzung dafür, im Home-Office erfolgreich und glücklich arbeiten zu können. Ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Eigenmotivation gehört ebenfalls dazu … und natürlich der Wille bzw. das Vermögen, Aufgabenstellungen und Ziele klar zu definieren, effizient umzusetzen und immer wieder lächelnd aufzustehen, wenn man über Steine stolpert, die das Schicksal, die Konkurrenz oder gar man selbst in den Weg geworfen hat.

 

Wenn du von einem Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit gewechselt bist: wie hast du diese Umstellung „verkraftet”?

Auch hier trifft das Gegenteil zu: Die Selbständigkeit „bekräftigt“ mich! Nach der viel zu späten Erkenntnis, dass ich mich nicht unterordnen kann, krempelte ich im Sommer 2013 mein Berufsleben um und wagte den Schritt in die Selbständigkeit. Ich habe mir also die Schreibstuben-Askese selbst ausgesucht. Natürlich ist jeder Tag nicht nur eine Erfüllung, sondern harte Arbeit für weitaus weniger Geld. Bei einer Wochenarbeitszeit von 60 Stunden plus und einer Vergütung in der Nähe des Mindestlohns würde jedem Gewerkschaftsfunktionär das Messer in der Tasche aufklappen. Und dennoch: ich habe es bisher keinen einzigen Augenblick bereut.

 

Welche Strategien verfolgst du, um nicht immer “im eigenen Sud” zu schwimmen?

Der „eigene Sud“ ist in der Tat eine Situation, die es zu vermeiden gilt. Nicht nur, dass die Innovation irgendwann von der Routine verdrängt wird. Es gibt so viel zu lernen, wenn man seines eigenen Glückes Schmied ist. Denn Fakt ist, dass man die Selbständigkeit auf keiner Uni erlernen kann. Die Schule des Lebens spielt da draußen … und clever ist der, der bisweilen auf den Erfahrungsschatz anderer zurückgreift. Deshalb bin ich in verschiedenen Communities der unterschiedlichen Social-Media-Portale unterwegs, tausche mich dort aus und hole mir meine Feedbacks und Inspirationen.  

 

In meiner Freizeit habe ich das Laufen für mich entdeckt und treffe halbwegs regelmäßig meine realen sozialen Kontakte. 

 

Liebst oder hasst du es, so alleine vor dich hinzuarbeiten?

Wer jetzt noch glaubt, dass ich das Alleinsein hasse, der sollte meinen Text noch einmal lesen. J Natürlich liebe ich es! Wenn ich morgens meinen Tag plane, habe ich abends (meistens) mein Ziel erreicht … ohne Jour-Fixe-Besprechungen, schriftliche Anträge, Hierarchie-Hürden und ohne dass mir irgendjemand reinquatscht (bis auf besagte Zwischenrufe in punkto Urlaubsplanung, Einkauf oder Hausaufgaben). Keine S-Bahnfahrten mehr zur Berliner Friedichstraße, kein Stau auf der A10, kein übelgelaunter Chef, keine anstrengenden Kollegen, kein Klatsch und Tratsch, kein Kantinenessen … und meinem PC ist es wurschtpiepegal, wenn ich ungeschminkt im Schlabberlook mit ihm arbeiten möchte.

 

Wenn du etwas ändern könntest, was würdest du gerne tun/lassen?

… dann hätte ich mich bereits vor zwanzig Jahren für das Home-Office entschieden. Und wenn der schnöde Zaster nicht wäre, dann würde ich mich ausnahmslos dem Schreiben meiner Romane widmen, die verwaist in meiner gedanklichen Schublade sehnsüchtig darauf warten, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. J

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit 
Ihre/Eure Mari März bzw.

Marion Mergen, Inhaberin von "korrekt getippt" - DIE TEXTWERKSTATT

Und ... wie fühlst du dich in deinem Home-Office?

Die Blogparade läuft noch bis zum 1. März 2015, 23:59 Uhr.

Nimm selbst teil oder schreibe mir hier deine Meinung ...

Kommentare

Bitte geben Sie den Code ein
* Pflichtfelder
  • Claudia Kauscheder (Montag, 09. März 2015 07:18)

    Liebe Marie!

    Nochmals vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade! Heute ist die Zusammenfassung und auch eine kleine statistische Auswertung online gegangen:
    http://abenteuerhomeoffice.at/2015/03/homeoffice-alleinsein-strategien/

    Liebe Grüße,
    Claudia

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Mari März (2014 - 2017)