Schüttel deinen Speck!

Der Frauentag im Jahre 2015 ...

 

 

Auch wenn der 8. März nun schon zwei Tage zurückliegt, möchte ich heute dennoch ein paar Zeilen über den Frauentag verlieren. Abgesehen davon ist die geballte Ladung Aufmerksamkeit an nur einem Tag auch irgendwie blöd … obwohl, angesichts von Genderpolitik, Feminismusdebatten, Frauenbeauftragten/-innen, Binnen-I und Frauenquote stimmt das nun auch wieder nicht mehr.

 

Es hat sich einiges geändert in den letzten hundert Jahren ... in den Grundrechten, den Gesetzen und - so munkelt man - in den meisten Köpfen. Wenn man bedenkt, dass wir die volle Geschäftsfähigkeit erst im Jahre 1977 erworben haben und seither selbständig Verträge unterzeichnen dürfen, ohne unseren Ehegatten zu fragen … ja, da ist scheinbar viel Wasser die Spree hinuntergelaufen.

 

Ich bin mit dem „Internationalen Frauentag“ groß geworden. Erst nach Mauerfall habe ich begriffen, dass die Funktionäre uns auch in diesem Fall verarscht haben. Von „international“ konnte wohl kaum eine Rede gewesen sein. Die Mädels im Westen hatten größtenteils keine Ahnung, was alljährlich am 8. März in ostdeutschen Betrieben und Amtsstuben so abging. Ich kann mich jedenfalls erinnern, dass da jede Menge Alkohol geflossen ist. Was sollten die Männer uns auch schenken – außer Mädchentraube, Pfeffilikör und rote Plaste-Nelken? Es gab weder Rosen noch anständiges Parfüm im sozialistischen Handel zu kaufen, also wurde gesoffen, wie wir es von unseren sowjetischen Freunden gelernt hatten.

 

Nach der Wende wurde jedenfalls die bundesdeutsche Verwaltung nicht selten von westgermanischen Hinterwäldlern besiedelt, die in punkto Gleichberechtigung quasi aus einem Dritteweltstaat kamen. Das verwuchs sich mit der Zeit. Irgendwann konnten wir Frauen unseren Sekt trinken, ohne permanent erklären zu müssen, warum es neben dem Muttertag nun auch noch einen Tag gäbe, an dem wir Mädels feiern dürften. In 23 Jahren, die ich im öffentlichen Dienst gearbeitet habe, ist es mir leider nie gelungen, all diesen Herren zu verklickern, dass der Tag der Emanzipation vom Patriarchat nichts mit dem Tag zu tun hat, den Adolf Hitler dazu auserkoren hatte, ausschließlich die Frauen zu ehren, die für Volk und Vaterland die Soldaten zur Welt brachten.

 

Umso wunderbarer ist es, dass im Landkreis Oberhavel alljährlich alle Frauen – ob zugereist oder einheimisch, ob dick, dünn, groß, klein, klug, dumm, Single, Ehefrau, Mutter, Witwe … alle unter einem Dach ihren Ehrentag feiern und niemand nach dem Warum fragt. Und noch erstaunlicher ist das Phänomen, dass bei diesem Event die Stutenbissigkeit ihren Nullpunkt erreicht. Das liegt selbstredend daran, dass die männlichen Artgenossen, die bei einer solchen Party anwesend sind, entweder zwanzigjährige Barkeeper oder aber (meist schwule) Stripper sind. Wer sich ansonsten als Mann auf eine Veranstaltung „Ladies only“ verläuft, ist entweder von der Sorte Schoßhündchen oder einsamer Wolf. Beide Gattungen können bei der Überzahl an Frauen kaum gefährlich werden.

 

Und genau deshalb ist diese Frauentagsparty selbst für mich, die Frauen eigentlich gar nicht leiden kann, eine sensationelle Veranstaltung. Wenigstens dieses eine Mal bewegen wir Mädels uns konkurrenzfrei, müssen weder den Bauch einziehen, noch die Möpse hochschnallen. Es ist uns egal, wenn die Frisur nicht mehr richtig sitzt, wir fummeln nicht ständig an unseren Tops und BH-Trägern, wir schminken uns nicht im Klo die Lippen nach. Nein, ganz im Gegenteil! Wir schütteln ausgelassen unseren Speck, fühlen uns frei und benehmen uns wenigstens an diesem einen Abend im Jahr wie emanzipierte Frauen: ohne Zwänge, die wir uns heutzutage größtenteils selbst auferlegen.

 

In diesem Sinne …

Ihre/Eure Mari März

 

Krissi, danke für die Inspiration. :-)

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)