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Schuld macht Narren frech. Respekt ist ausverkauft?

Donnerstag, 13. März 2014

 

In letzter Zeit war ich viel bei Facebook unterwegs. Naja, in der Welt passiert ja auch gerade so einiges. Ich bin mir noch nicht sicher, was die Community mehr interessiert: die 27 Millionen von unserem Steuer-Uli oder aber die Krise in der Ukraine. Erstaunlich, oder? Sollten doch Mord und Totschlag in der Welt wichtiger sein als ein Mann, der in seinem Leben so viel Steuern (nicht) gezahlt hat, wie wir niemals verdienen werden. Wir Deutschen haben ja irgendwie immer etwas zu nörgeln. Insofern könnte man fast glauben, dass Facebook nur für uns entwickelt wurde.

 

Für mich, als Ost-Germanin, die in eine Schule gehen musste, die nach dem KGB-Chef benannt wurde, grenzt es immer noch an ein Wunder, dass heute jeder seinen Senf überall zugeben darf und kann, ohne gleich nach Bautzen zu müssen. Aber wo hört Freiheit auf und beginnt die Anarchie?

 

Wenn ich mir die Facebook-Einträge und Kommentare so anschaue, sind mittlerweile die wenigsten in einem Deutsch verfasst, das auch nur annähernd an meine Muttersprache erinnert. Aber gut, ich bin da Pedant. Vielmehr sind die Inhalte interessant. Da wird geheult, gemault, gemeckert, geschimpft, angeprangert… ja, der Pranger. Es erinnert tatsächlich so ein bisschen an die Szenerie des Mittelalters: Der hysterische Mob versammelt sich, um dem Bestraften am Schandpfahl so richtig die Meinung zu sagen, ihn anzuspucken und mit faulem Obst zu bewerfen. Hauptsache, man lenkt mit lauten Rufen vom eigenen schlechten Gewissen ab. 

 

Nun, ich bin nicht getauft, nur geimpft, aber in der Elberfelder Bibel (Kapitel 14,Vers 7) habe ich einen sehr schönen Spruch gefunden: „Der Spötter sucht Weisheit, doch sie ist nicht da; aber für den Verständigen ist Erkenntnis ein Leichtes.“ In Vers 9 heißt es weiter: „Schuld macht Narren frech […]“, und genau das macht mich langsam echt wütend.  

 

Wenn ich so durch die Internetforen schaue, sind Kommentare wie diese hier immer gewiss: Die da oben haben grundsätzlich keine Ahnung. Das sind doch Betrüger und gehören alle weg. Wer nicht meiner Meinung ist, ist sowieso blöd. Um meine Interessen kümmert sich eh niemand. *heul-mecker+sülz*

 

Nun will ich niemanden bekehren und hier sinnlos argumentieren, dass „die da oben“ weder faul noch doof sind, sonst wären sie nicht da, wo sie sind. Oder dass letztlich jeder von uns Politiker/in werden kann, nur die wenigsten eine schlechtbezahlte 80-Stunden-Woche wollen. Ich möchte auch gar nicht weiter ausführen, wer die lautesten Brüller sind. Wie wäre es denn, wenn wir alle uns öfter an die eigene Nase fassen. 

 

Wenn jeder vor seiner Haustür fegt, wird die Stadt schließlich auch sauber. 

 

Wo ist der Respekt denn nun geblieben? Ausverkauft? Verloren gegangen? Ich denke, wir spülen ihn gerade gemeinschaftlich die Toilette runter!

 

Jeder, der weiß, dass Niveau keine Hautcreme ist, hat längst begriffen, dass wir uns und vor allem der nachfolgenden Generation keinen Gefallen tun, wenn wir alle immer nur maulen und auf andere schimpfen. Wir beschweren uns darüber, dass unsere Kinder keinen Respekt mehr haben und auch sonst kein Interesse am politischen/gesellschaftlichen Geschehen. Ja, wie sollen sie es denn lernen? Von uns, die wir die Lehrer für blöd erklären und auch sonst alles für sinnlos erachten, nur weil unserer Lobby von Regierung und Parlament gerade keine Beachtung geschenkt wird? Woher kommt Politikverdrossenheit, wenn nicht durch unser ewiges Gemecker auf „die da oben“? Wer immer nur nach „oben“ meckert, macht sich letztlich selber klein.

 

Jetzt ist Fastenzeit. Wie wäre es, wenn wir nicht (nur) auf Fleisch, Milchprodukte und Alkohol verzichten, sondern auf das Meckern?! Lassen wir bis zum 19. April doch die Kanzlerin, die Bürgermeister, die Lehrer, die Polizisten, die Feuerwehrleute, Anwälte und Steuerberater doch einfach mal ihren Job machen. Das heißt nicht, dass wir wegschauen und still sein sollen. Nein. Vielleicht legen wir nur einfach wieder mehr Achtung und Wertschätzung gegenüber der Arbeit und Denkweise anderer an den Tag. Vielleicht üben wir uns in konstruktiver Kritik und der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen. Und dann treffen wir uns alle „da oben“... auf dem Berg der Erkenntnis.

 

In diesem Sinne … RESPEKT!

Eure Mari März

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)