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Von Lebenskünstlern und anderen Taugenichtsen

 

Dienstag, 17. Dezember 2013

 

Einem lieben Menschen hatte ich versprochen, unter oben genannter Überschrift eine Kolumne zu schreiben. Allerdings schwebte mir bis heute ein etwas anderer Inhalt im Kopf herum. Bis ich eben einen Artikel über Michael Winterhoff und seine niedergeschriebenen Praxiserfahrungen als Kinderpsychiater las. (In Berlin/Brandenburg ist „Psychiater“ übrigens ein Wort, das am Anfang gerne mit einem Zett ausgesprochen wird, genau wie Zven, Zündy und Züchologe. Ein preußischer Kalauer, der auch irgendwann einmal den Weg auf’s virtuelle Papier finden musste!)

 

Nun aber zu den Taugenichtsen oder (schicker ausgedrückt) Lebenskünstlern. Unter der Schlagzeile „Eltern zögen eine Generation von Narzissten und Egomanen heran.“ versucht Herr Winterhoff so manchen Eltern klarzumachen, dass weniger manchmal mehr bedeutet.

 

Wie bereits erwähnt, bin ich keine leibliche Mutter, erledige „nur“ tagtäglich deren Job. Insofern weiß ich, wie schwierig es ist, mit anderen Müttern über die Erziehung der Nachhut zu diskutieren. Deshalb reicht es aus, wenn Herr Winterhoff sich hier auf’s Glatteis begibt. Ich möchte heute lieber von dem Endprodukt überschwänglicher Erziehung sprechen.

 

Egal, wann man im letzten Jahrtausend geboren wurde, wir kennen ihn alle, den Prahlhans. Früher wurde er gern als Sandsack benutzt. Heute heißt er Sven-Torben und wohnt in der Maisonette am Fuße des Prenzlauer Bergs in Berlin.

 

Ich selbst habe solche Exemplare in meiner Single-Zeit im Internet kennengelernt. Dort geben sie sich gern als Lebenskünstler aus. Was bitte ist am Leben Kunst? Die Kunst ist doch eher, diesen Menschen aus dem Weg zu gehen. Denn schaut man genauer hin, so ist ein Lebenskünstler im wahren Leben oft ohne Job und ohne Brot … wie die berühmte Grille in der Fabel.

 

Auch aus dem Berufsleben sind sie nicht mehr wegzudenken. Da gibt es Kollegen, die sich bei jeder passenden Gelegenheit so präsentieren, als wären sie allein für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich. Die Arbeit machen in der Regel die anderen.

 

Im Privaten beobachte ich seit einiger Zeit, wie solch ein Taugenichts die Nerven seiner Mitmenschen beansprucht: Er macht überall Schulden. Er schädigt öffentlich den Ruf ehrenwerter Unternehmer. Andererseits postet er, wie er das (geliehene) Geld zum Fenster hinauswirft. Und? Nichts! Gestandene Männer lassen es sich gefallen.

 

Und genau das haben doch alle Taugenichtse gemeinsam: Niemand zeigt ihnen, wo der Frosch die Locken hat. Deshalb an alle Eltern da draußen: Wir möchten alle nur das Beste, aber BITTE: Wir haben schon genügend Egomanen auf dieser Welt. Setzt euren Kindern auch mal Grenzen! Zeigt ihnen auf, dass ihr Handeln Konsequenzen hat! Bringt ihnen bei, dass nur Verlierer die Schuld immer bei den anderen suchen! Verlasst euch nicht auf den Ethik-/Religionsunterricht, vermittelt selbst die Werte, die uns Menschen, unsere Gesellschaft erst wertvoll machen! Ehrgeiz, Entschlossenheit, Selbständigkeit etc. sind auch heute noch die guten Attribute. Ein Nein ist noch keine Menschenrechtsverletzung. Eure Kinder brauchen weniger Freiraum, um sich selbst zu entfalten. Sie brauchen vielmehr Regeln, Liebe, Aufmerksamkeit und Verantwortung.

 

Warum haben wir die absurde Vorstellung, dass wir unsere Kinder verstehen müssen?

 

Respekt entspringt nicht aus einem Gleichnis, sondern aus der Toleranz.

 

Männer sind Männer. Frauen sind Frauen. Kinder sind Kinder. Und wenn jeder seinen Job macht, dann gibt es Hoffnung für eine Welt mit weniger ADHS, Burn Out und Psychopharmaka.

 

In diesem Sinne ...

Ihre/Eure Mari März

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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© Mari März (2014 - 2017)