Rezension

Das Eulenrätsel (Ghila Pan)

Fiktion mit realer Message: Ein moderner Fabelschmaus für Fantasy-Liebhaber

 

Als Fan des sprachlichen Frontalangriffs finde ich „Das Eulenrätsel“ dennoch oder gerade deshalb ein gelungenes Werk einer hochintelligenten Autorin. Ghila Pan beschreibt ihr Buch als ein Experiment, als ein Lied, eine freche, freie Improvisation über eine der fantasievollsten Symphonien unserer Zeit. Dem kann ich nur zustimmen und nach der unterhaltsamen Lektüre wie folgt zusammenfassen:


Wer „Tintenherz“ liebt, wird dieses Buch in jedem Fall mögen. Doch anders als in Cornelia Funkes Bestseller-Roman wird in „Das Eulenrätsel“ auf einzigartige Weise mehr Wert auf aktuelle Bezüge zwischen den Zeilen gelegt. Die bemerkenswerte Figur der Spinne Tarantuga möchte beispielsweise die Menschheit am liebsten komplett auslöschen: „Ach, ihr seid eine bedauerliche Spezies. Beinahe sieben Milliarden, doch jeder Ameisenstaat ist euch an Organisation überlegen! Ihr glaubt, ihr seid weiser als ein Tier, und seid in Wahrheit das einzige Tier, das Krieg gegen seine einzige Spezies führt!“
Ohne erhobenen Zeigefinger gelingt es der Autorin, mit ihrer surrealen Geschichte auf sehr reale Missstände aufmerksam zu machen. Das Werk von Ghila Pan ist eine moderne Fabel, die grandios umgesetzt in unseren Alltag passt.

Worum geht’s:
Eine bunte Schar skurriler Figuren - unter ihnen der ehemalige Mönch Elester Claw, Eulalia Birdwitch, Professor Draciterius, Penny Lo und viele andere eigenartige Wesen, wie die Flohspinne Tarantilli, Stubenfliege Elvira oder die Fledermaus Draculetta - irren durch den Sumpf der banalen Belanglosigkeiten und stoßen auf die Mauer der tausend unhinterfragten Gesetze.

Lisa, die Erschafferin dieser bisweilen wild durcheinanderschwatzenden Meute verbrannte als Achtjährige einst ihre Geschichten. Viele Jahre später findet sie im Sommerurlaub einen Korken am Strand von Hawaii mit der Aufschrift: „Gefangen im Nichtigen Reich. Unerhört Ihre Geschichte. Sie brauchen Hilfe.“ Bald darauf macht sich Lisa auf die Suche nach ihren in Vergessenheit geratenen Romanfiguren, die das einstige Feuer irgendwie überlebt zu haben scheinen. Einem Impuls folgend, reist Lisa nach Schottland. Im Gepäck ihr herzensguter Ehemann Alwin, der lieber auf Hawaii in der Sonne sitzen würde. Während einer Zugfahrt durch die schottischen Highlands treffen sie auf den zwielichtigen Mister Mac Futuroy, der sich als Geschäftsmann aus Massachusetts vorstellt und sie spontan auf sein Anwesen Haus Swansteen einlädt. Was hat der gutaussehende Amerikaner schottischen Ursprungs mit der Geschichte zu tun und welche Rolle spielt Marcella, Lisas allererste Titelheldin?

Doch lesen Sie nun selbst, wie es weitergeht … es lohnt sich!

Fazit: Eine klare Lese-Empfehlung für Liebhaber der Fantasy, die als literarisches Dessert süßen Humor und eine Prise Moral bevorzugen.

 

Mari März, 17. Februar 2015

 

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Mari März ist Mitglied bei Writers Online
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