ISBN-13: 978-3404169757

INFERNO

 

Autor: Dan Brown

Verlag: Bastei Lübbe (Juni 2014)

Genre: Thriller

 

Taschenbuch: 9,99 Euro (688 Seiten)

E-Book: 8,49 Euro

Ein Liebeslied an die Kunstgeschichte, ein Appell an den Humanismus und eine spannende Fiktion, die beängstigend real ist.

 

Der vierte Teil um den Harvard-Professor und Meister der Kryptologie Robert Langdon ist kein einfaches Buch, sondern ein weiteres großartiges Werk des Erfolgsschriftstellers Dan Brown. Es ist ein Liebeslied an die Kunstgeschichte, ein Appell an den Humanismus und eine spannende Fiktion, die beängstigend real ist.

 

Wieder einmal schafft es der Autor, die Spannung bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten. Zumindest für alle Leser, die von den zahlreich beschriebenen Details nicht maßlos überfordert sind. Schon in den vorherigen drei Bänden war deutlich zu erkennen, dass Dan Brown nicht nur eine Geschichte erzählen möchte, sondern etwas zu sagen hat. Seine Bücher sind nicht für jene, die Literatur nach dem Motto „für den Preis habe ich mehr Seiten erwartet“ oder „es hat sich schnell weggelesen“ bewerten. Dan Brown bezieht sich in „Inferno“ wahrscheinlich nicht umsonst auf den berühmten Dichter und Philosophen Dante Alighieri, der mit seinen Schriften ebenfalls sehr viel mehr bezwecken wollte, als ausschließlich zu unterhalten. Vordergründig dreht sich im vierten Teil der Langdon-Reihe alles um die legendäre „Göttliche Komödie“ aus dem 13. Jahrhundert und einen Wissenschaftler der Neuzeit, welcher das Schicksal der Welt in die eigenen Hände nimmt. Wer es vermag, zwischen den Zeilen zu lesen, erkennt die beängstigende Realität innerhalb der Fiktion. Dan Brown wagt sich mit „Inferno“ noch ein gutes Stück weiter aus dem literarischen Fenster. Er schreibt nicht mehr ausschließlich über die abstrakte Macht der katholischen Kirche, geheimnisvolle Mythen und sagenumwobene Ornamente. Nein, dieses Mal geht es tatsächlich um die Welt … um jeden einzelnen von uns (oder zumindest um ein Drittel der Weltbevölkerung). „Inferno“ ist direkter, präziser und deshalb noch bedrohlicher, als wir Dan Brown bisher kannten.

 

Wer sich die notwendige Zeit für die unglaubliche Vielfalt an aufwendig recherchierten Fakten nimmt, der erfährt eine wahre Fülle an Informationen über die Schönheit der Kunst und der Welt, und warum es so wichtig ist, sie zu bewahren. Dan Brown überschreitet die Grenzen der aktuellen Fragen in Bezug auf Umweltschutz, Verschwendung von Ressourcen oder die Degeneration der Menschheit zu oberflächlichem und egoistischem Denken. In seinen durchaus überschwänglichen Beschreibungen reduziert er die faktischen Hintergründe jedoch auf schlichte Mathematik und die überaus verheerende Auswirkung einfacher Zahlen auf unsere Zukunft. Die Zukunft der Menschheit, die Zukunft des Humanismus.

 

„In Zeiten der Gefahr gibt es keine größere Sünde als Untätigkeit. […] Langdon wusste, er hatte sich selbst dieser Sünde schuldig gemacht – genau wie Millionen andere. Wenn es um den Zustand der Welt ging, dann war Verleumdung zu einer Pandemie geworden.“

 

Den wenigsten Autoren gelingt es, eine fiktive Geschichte mit den Realitäten dieser Welt so gut zu kombinieren, dass ein solches Werk unterhält, Spannung erzeugt und zum Nachdenken anregt. So einige namhafte Schriftsteller sind bei dem Versuch kläglich gescheitert. Warum? Weil Moral und deren Botschaft eben kein Mainstream ist und nicht zwangsläufig Geld in die Kasse spült. Die meisten Autoren wollen eine Geschichte erzählen, einige unter ihnen haben jedoch den Anspruch, ihren Lesern tatsächlich etwas mitzuteilen – auch auf die Gefahr hin, nicht von jedem erhört oder gar verstanden zu werden.

 

Insofern neige ich voller Demut mein Haupt und sage: Gut gemacht, Dan Brown! Bis auf einige Fehler im deutschen Lektorat finde ich Ihren Roman außerordentlich. Gerade weil Sie erfolgreich sind, haben Sie viel zu verlieren. Deshalb hoffe ich, dass Sie weiterhin so mutig sind und Ihren Lesern auch zukünftig noch so einiges mitteilen wollen. 

 

Die Verfilmung: weichgespült und massentauglich

 

Über Buch-Vermilmungen lässt sich vortrefflich streiten. Letztlich sind ebenjene natürlich auch immer Geschmackssache. Nur in diesem Fall wurde das Buch tatsächlich verstümmelt. Es geht um einen Wissenschaftler, der das wichtige Thema Überbevölkerung anspricht und letztlich einen Virus entwickelt für eine humane Lösung des "Problems". Eine mutige Fragestellung des Autors. Im Film steht hingegen die Action im Vordergrund und am Ende ist (typisch Hollywood) Friede, Freude, Eierkuchen. Die Message verpufft, der Wissenschaftler wird reduziert auf einen Psychopathen. Weichgespült und massentauglich. Warum sollten wir uns im Kino auch damit auseinandersetzen, dass aus 8 Milliarden Menschen bald 10 Milliarden werden, die den Planeten auffressen und damit die Lebensgrundlage für alle Zeit zerstören. In jeder guten Fiktion steckt ein Fünkchen Realität, und die heißt hier: Es ist fünf vor zwölf! Aber das will ja niemand hören, also wird aus tiefgründiger Literatur eben Mainstream-Kino gemacht. Kann man machen, muss man aber nicht!

 

 

Wie immer empfehle ich, zuerst das Buch zu lesen. Ansonsten gibt es die Geschichte jetzt ja auch an der Kinotheke ...

Mari März ist Mitglied bei Writers Online
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Mari März (2014 - 2017)