Rezension

Lutetia Stubbs: KellerLeichen und wie man sie nicht entsorgt (M. Czarnetzki)

Dieses Buch ist weiß im tiefen Schwarz der glasklaren Ironie ... und ganz sicher kein kalter Kaffee

 

LUTETIA STUBBS: KELLERLEICHEN ist kein lauwarmer Milchkaffee. Der Humor des durchaus begabten Autors ist nicht schaumig, süß und mainstreamfluffig. Er ist schwarz. Tiefschwarz! Wortgewaltige Sprachgerüste fordern den Leser heraus und machen hellwach. Sätze wie „Sie hatte sich noch keine abschließende Meinung über den Tod und ein eventuelles Leben danach gebildet, aber zumindest hygienische Gründe sprachen dafür, dass Leichen unter der Erde bleiben sollten […] Da Hausarbeit auf den Rest ihrer Familie dieselbe Wirkung hatte wie ein kampfbereites Stinktier auf die Bewohner eines Campingplatzes …“ wecken die Gier nach mehr. Und der amüsierte Leser wird nicht enttäuscht. Von der ersten Seite bis zum bittersüßen Ende, das mir in punkto Mutterliebe doch sehr zu denken gibt, reihen sich ironisch bis scharfsinnig Metaphern und Aphorismen in die Story, die dabei fast nebensächlich wird.

 

Matthias Czarnetzki kreiert Charaktere, die so in der aktuellen Literatur kaum zu finden sind. Lutetia Stubbs beispielsweise, die verdient die Hauptrolle in dieser Geschichte spielt, ist weit davon entfernt, ein durchgestyltes und weichgespültes Powergirly der Neuzeit zu sein. Lutetia ist düster, eiskalt und furchtbar sarkastisch. Wäre sie nicht so klug und bisweilen irrwitzigerweise sogar gutmütig, könnte man behaupten, sie spiegle unsere Welt in den dunkelsten Farben wider. Sie ist das widersprüchliche Produkt aus Ignoranz und Selbstgefälligkeit. Und obwohl sie einem ans Herz wächst, ist man doch froh, dass sie nur eine Fiktion ist.


Wer leichte, sanft vor sich hinplätschernde Lektüre sucht, wird bei Matthias Czarnetzki und seinen KellerLeichen definitiv falsch bedient. Dieses Buch geht nicht mit der Mode und hat mehr als die üblichen acht Ecken und Kanten. Dieses Buch ist erstaunlicherweise weiß im tiefen Schwarz der glasklaren Ironie. Dieses Buch ist ganz sicher kein kalter Kaffee.

 

Mari März, 16. Februar 2015

 

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