HollywoodSyndrom #2

Die Suche nach dem Traummann

Wie verzerrt ist unsere Wahrnehmung bereits, können wir überhaupt noch zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden? Meine Gedanken hierzu habe ich in dieser kleinen Reihe mit dem Titel #HollywoodSyndrom zusammengefasst. Heute: Die Suche nach dem Traummann

 

Ich bin nicht die Erste, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt, und ich werde auch nicht die Letzte sein. Und doch fühle ich mich bisweilen so einsam mit der Erkenntnis, dass es Traummänner nicht gibt. Mit knapp 50 habe ich so manchen Mädelstalk erlebt, in dem es um die berühmten Schmetterlinge im Bauch ging, um weibliche Ansprüche an das männliche Geschlecht. Nicht selten ertappte ich mich in meiner Singlezeit dabei, mir die reale Welt schönzureden und von einem Mann zu träumen, der all meine geheimen Wünsche erfüllt. Aber mal ehrlich: Das Leben ist keine Heile-Welt-Filmkulisse, kein Rosamunde-Pilcher-Roman und auch nicht Fifty Shades of Dingens. Mittlerweile kann ich behaupten, dass ich jahrzehntelang in der Illusion verbrachte, dass es dort draußen meinen Ritter in glänzender Rüstung gibt, der all meinen Vorstellungen gerecht wird. Und ich weiß, dass es Millionen Mädchen und Frauen weltweit gibt, die genau wie ich einst davon träumen. Wir verfallen in Entzücken, wenn wir TITANIC, DIRTY DANCING, PRETTY WOMAN oder all die Cinderella-Adaptionen sehen, in Büchern unserer Fantasie freien Lauf lassen und uns wünschen, einmal so geliebt zu werden wie ... Sucht es euch aus, die Fiktion bietet ob Film oder Belletristik einen riesigen Vorrat an Lovestorys.

 

Bisweilen brauchen wir die Romantik, all jene verklärten Bilder vom Sonnenuntergang, um unseren Alltag ein wenig aufzurüschen.

 

Nicht umsonst gibt es so viele erfolgreiche Romance-Autorinnen. Als Lektorin helfe ich gern dabei, solche Bücher auf den Markt zu bringen. So what?

Nur erlebe ich es leider immer wieder, wie Frauen in meinem Umfeld unter ihrem ganz eigenen Hollywood-Syndrom leiden. Sie fühlen sich einsam, hoffen auf das große Glück und verschließen die Augen vor der Schönheit der realen Welt. Wie oft passierte es mir, dass ich beim Online-Dating auf galante Komplimente in Musterbriefmanier hereingefallen bin, philosophierte, adaptierte ... und mir den entsprechenden Mann in meiner Fantasie zurechtbog, bis von ihm nichts mehr übrig war. Wir Frauen neigen dazu, viel zu viel zu interpretieren und uns pausenlos zu wünschen, dass ein Mann so ist, wie wir ihn gern hätten. An alle, die noch auf diesem Level sind: Vergesst es! Es gibt die eierlegende Wollmilchsau nicht. Keinen Mann, der gleichzeitig kultiviert, potent, intelligent, gepflegt, sportlich, verständnisvoll, muskulös, reich, handwerklich und sexuell begabt, tierlieb, fußballaffin und weiß der Kuckuck was ist. Ich habe irgendwann gelernt, dass ich nur das erwarten kann, was ich selbst zu bieten habe. Niemand von uns ist perfekt, also geben wir uns doch einfach mal mit dem zufrieden, was uns wirklich wichtig ist. Schauen wir doch gelegentlich in den Spiegel und fragen uns, was unsere Stärken aber auch Schwächen sind. Und wenn wir dann eines Tages wissen, wer wir sind und was wir wirklich wollen, dann finden wir auch einen Mann, der zu uns passt. Denn bevor wir unsere ganz eigenen Bedürfnisse nicht kennen, kann sie kein Kerl der Welt befriedigen.

 

In diesem Sinne, Mädels ... Spiegel sind nicht nur zum Schminken da.

Eure Mari

 

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