Broken Minds

Meine Geschichte für die BookBitchesBox

Bücherelfe Claudia

Rezension aus Deutschland vom 5. Juni 2020

... den man nicht nur kurz anlesen kann. Den man genau dann zur Seite legt, wenn die letzten Zeilen ausgelesen sind und keine Sekunde eher.
Und dann setzt der so typische Effekts des Nachklingens ein, weil sie wieder ein Thema anpackt, das einen so schnell nicht mehr loslässt: Häusliche Gewalt.
Häusliche Gewalt in Zeiten von Corona.
Mich hat diese Geschichte sehr nachdenklich gemacht, denn bei Corona denkt man an Ausgangssperre, Mundschutzpflicht und Mindestabstand und ist genervt von den Veränderungen im Alltag und dem Umgang untereinander, der plötzlich so anders, so ausgebremst ist. Aber Mari lenkt den Fokus auf etwas anderes, auf etwas viel Gravierenderes: Was ist mit all den Opfern von Gewalttaten, die nun den Tätern noch schutzloser ausgeliefert sind, weil Frauenhäuser geschlossen sind, Selbsthilfegruppen nicht stattfinden und sie somit noch isolierter sind???
Mari erzählt hier sehr bildgewaltig und mitreißend und man möchte ins Buch springen und Alexandra beschützen. Man möchte Axel in seine Weichteile treten oder ihm noch viel schlimmere Dinge antun.
Und man möchte Sascha umarmen und laut Hurra schreien, weil sie einfach ein Engel ist.
Aus den Gesprächen zwischen Alexandra und Sascha kann man so viel rausziehen, weil sie so auf dem Punkt sind und so wichtige Erkenntnisse bringen. Hatte ich schon erwähnt, dass Sascha echt toll ist???
Außerdem kann ich bei Maris Geschichten auch immer was für mich rausziehen, wichtige Botschaften, die hängenbleiben und etwas auslösen, die in mir arbeiten.
Und mal ganz ehrlich??? Wer von uns ist nicht schon mal in irgendeiner Form mit häuslicher Gewalt konfrontiert worden.
Der Wendepunkt in der Geschichte war BÄÄÄM und hat mir äußerst gut gefallen, vor allem, weil ich ihn so in dieser Form nicht erwartet hätte.
Liebe Mari, danke fürs Wachrütteln und für diese sehr emotionale und zu Herzen gehende Geschichte.
 
Mario Rohrhofer
Rezension aus Deutschland vom 30. Juli 2020
Broken Minds von Mari März ist nach „Im Sog der Hoffnung" von Lisa Skydla, „Wahnring“ von Nici Hope und
„Unter Grund“ von Nadine Teuber der vierte Beitrag zu der Stand-Up-Writing Aktion der #BookBitches. Hier wurden die 5 vorgegebenen Wörter hervorragend in die Geschichte eingebaut sie stören beim Lesen überhaupt nicht und man muss aufpassen das man sie nicht überliest. ?

Auch hier haben wir nach Nadine Teubers Beitrag wieder einen Bezug zur der alles einnehmenden Situation 2020. Mari März nimmt sich der häuslichen Gewalt an, was gerade in Zeiten der sozialen Isolation ein sehr brennendes Thema ist. Zur Geschichte wurde ja schon viel geschrieben daher nur noch kleine Anmerkungen von mir die zur Bewertung führen: Der Autorin gelingt es gut das man mit Alexandra mitfühlt, leider dann doch etwas zu klischeehaft mit dem gewalttätigen Polizisten der seine Aggressionen zu Hause ausleben muss da es dienstlich „verboten“ ist. Auch wusste ich nicht so recht wo dann plötzlich Sascha herkam, eventuell ist sie ja aber auch nur eine imaginäre Freundin (bzw. eine Projektion ihrer stärkeren Persönlichkeit) die sich dann gegen ihren Mann auflehnt.

Auf alle Fälle wieder eine Geschichte von Mari März die ein wichtiges Thema anspricht und dieses auch gut umgesetzt hat, und einem was zum Nachdenken mitgibt.
 
Scarboox
Rezension aus Deutschland vom 5. Juni 2020
Mein "Mari-Problem" (sofern man es als ein solches bezeichnen kann, denn eigentlich ist es keins!) ist: Sie packt mich jedes verdammte Mal an meinen sinnbildlichen Eiern und schleift und zerrt mich durch die verschiedensten Emotionen. Sie wirft mich in eine Wanne, die mit genau diesen gefüllt ist und sagt lächelnd: "Viel Spaß. Und geh nicht unter."
Alles klar! Hör du auf zu schreiben und wir haben einen Deal ... Klingt 'n bisschen dramatisch? Keine Sorge, ich kann schwimmen. Halbwegs.
Hier gab es im Gegensatz zu meinen letzten gelesen März-Büchern eine Kurzgeschichte. Kurz bedeutet aber nicht, dass sie deshalb weniger einschlagen kann. Nope. Vielleicht bin ich einfach zu sensibel für den "S*****" (welcher natürlich keiner ist, nur um das mal klarzustellen).
Vermutlich neigen Menschen, die eh jeden Tag Emotions-Achterbahn fahren, eher dazu bestimmte Dinge extrem oder überempfindlich und intensiv aufzunehmen. Vielleicht ist es aber auch einfach der Fakt, dass es sich im Geschichten handelt, die aus dem Leben gegriffen und erzählt sind und die Mari März einfach großartig beschreiben und schreiben kann. Aber eventuell ist es auch ein Zusammenspiel aus Beidem ...

Alexandra Winter lebt ein Leben, das man keinem Menschen wünscht oder wünschen sollte. Bereits in der Kindheit war die das Opfer. Daddys Little Girl, nur anders und so wie es niemals sein sollte ... Als sie erwachsen ist, wird es nicht besser, was sie recht schnell nach der Hochzeit mit Polizist Axel erfahren soll. Niemand würde vermuten und ahnen, was für ein Sadist und A******** er ist. Schon gar nicht, wenn man an seinen Job denkt, schließlich soll er beschützen und nicht zerstören, richtig?
Nun könnte man natürlich die kleine Klischee-Peitsche heraus holen und ein bisschen herum wirbeln und knallen lassen. Aber seien wir ehrlich, genau solche oder sehr ähnliche Szenarien spielen sich in so vielen Leben und Haushalten ab. Nur wollen wir es oft einfach nicht sehen oder uns damit beschäftigen.

Aber weiter mit Alexandra ... Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, sorgt ein Virus dafür, dass die Menschen in ihren Leben stark eingeschränkt werden und das nicht gerade zu einer Erleichterung in Alexandras Situation beiträgt.
Vermutlich oder sehr wahrscheinlich würde sie ihr Leben ewig so weiter führen oder es selbst eines Tages aus Verzweiflung beenden, gäbe es nicht Menschen wie Sascha, die wie die manchmal so dringend benötigten Schutzengel und "Durchschüttler" scheinen. Allerdings sind der Wille oder die Kraft etwas zum Alltag gewordenes, wenn auch Schlimmes, gegen einen Neuanfang zu tauschen, oft nicht umzusetzen. Oder es braucht Zeit. Oder viele tiefe Atemzüge und Überlebenswillen. Besitzt Alexandra das alles nach all diesen Misshandlungen und Jahren? Und wie groß kann ein Verlangen nach Rache und Freiheit letztlich wirklich werden? Das lest bitte selbst.
 
Books to go
Rezension aus Deutschland vom 9. Juni 2020
Wieviel Schmerz und Erniedrigung kann ein Mensch vertragen?? Wann zerbricht das Konstrukt des Körpers, wann zersplittert die Seele??
Alexandra hat in ihrem Leben kaum etwas anderes kennengelernt als Gewalt und Unterdrückung – zuerst durch ihren Vater und jetzt durch ihren Ehemann Axel. Er ist Polizeibeamter und sollte eigentlich für Recht und Ordnung sorgen… das tut er auch, nur leider nicht in den eigenen vier Wänden.
Frustration, Stress oder einfach nur Spaß an Erniedrigung führen täglich dazu, dass Alexandra zitternd vor ihm steht, was seine Wut nur noch steigert. Auch nachdem sie wochenlang im Krankenhaus lag, schaffte sie es nicht, sich von ihm loszusagen…
Körperliche Grausamkeit, psychische Machtspielchen – selten genug kann ein Betroffener aus dieser Spirale entfliehen… meist bedarf es Unterstützung einer dritten Person…
In Alexandra’s Fall handelt es sich um Sascha… sie hat ihr bereits geholfen, als sie sich von ihrem Vater abgrenzen wollte… nun unterstützt sie Alexandra erneut…
Werden sie es gemeinsam schaffen sich gegen Axel aufzulehnen und einer gepeinigten Seele neuen Auftrieb zu geben??

Mari März erzählt fesselnd, mitreißend, konsequent und schonungslos. Das Thema des häusliche Gewalt wird meist totgeschwiegen – von Betroffenen, vom jeweiligen Umfeld und natürlich auch den Tätern. Danke an die Autorin, dass sie sich mit diesem heiklen Thema auseinandergesetzt hat!!