Der Tänzer

Gegen das Vergessen ...

Yvonne Fritz

Rezension aus Deutschland vom 14. November 2019

Die Verbindung der Vergangenheit mit der Gegenwart ist so ergreifend gelungen. Ist doch dieses Thema des Buches aktueller den je. Dieses Buch ist gegen das Vergessen und öffnet vielleicht auch denjenigen die Augen, die sonst nicht wagen ,ihre Scheuklappen abzusetzen .
Ich war sofort mit der Geschichte eins, sie rüttelt wach in einer sehr offenen und aufschlussreichen Art.
Diese Geschichte zeigt auch, dass die Autorin nicht nur gut recherchiert hat. Nein,man spürt anhand ihrer Schreibweise ,wie sehr ihr das Thema am Herzen liegt.
Dieses Buch setzt ein wichtiges Zeichen und ich bin dankbar, dass die Autorin es zu Papier gebracht hat!
 
Bettina Reitz
Rezension aus Deutschland vom 17. November 2019
Der Autorin ist es gelungen , Erotik und Zeitgeschehen in eine prägende Geschichte zu packen. Die mich mitgenommen hat. ich fand das Mari Mergen sehr detailliert und fundiert recherchiert hat . Die Story hat mich sofort mitgenommen. Ein Thema das sehr gut umgesetzt wurde Wie verblendet manche immer noch sind wenn es um Thema Homosexualität etc. geht. Die Verquickung der Vergangenheit mit dem jetzigen Leben ist grossartig gelungen, durch fliessende Übergänge.
 
anonym
Rezension aus Deutschland vom 27. November 2019
Eine spannend geschriebene Kurzgeschichte mit toll beschriebenen Protas,
die Autorin hat einen fesselnden und direkten Schreibstil,
in dieser Novelle wird Vergangenheit und Gegenwart gekonnt verknuepft,
in einer Geschichte, die einen mitnimmt und zum Nachdenken anregt.
 
Dohmy - Ohne Bücher? Ohne uns
Rezension aus Deutschland vom 17. November 2019
Wenn ich mir ein Buch aus der Feder von Mari März in die Hand nehme, weiß ich das mich kein 08/15 Thema erwartet. In „Der Tänzer“ stellt die Autorin auf wenigen Seiten das ›Gegen das Vergessen‹ in den Vordergrund und verschreibt sich den moralischen Aspekten der Vergangenheit. Wo die Thematik Homosexualität heute leider immer noch gesellschaftskritisch besprochen wird, hat es Mari März geschafft, die traurige Vergangenheit mit der traurigen Gegenwart zu verknüpfen und erneut Geschichte zu schreiben.
Die geschichtlichen Aspekte kamen für mich gut und greifbar rüber. Auch die Poesie, die die Autorin in die Figur des Tänzers gelegt hat, war atemberaubend. Ich empfand es als sehr angenehm, wie Tom seine neue Seite an sich entdeckt. Obwohl ich keine Erfahrung im Bereich der Gayromance habe, kam mir die Lovestory zwischen Tom und Jack zu verspielt und kitschig rüber. Sicher gibt es beim kreativen Schreiben immer ein Fünkchen Fantasie, die den Leser beflügeln soll, aber es gab eine Stelle, die ich mir durchaus realistischer gewünscht hätte. Aus diesem Grund ziehe ich auch einen Stern ab und vergebe leider nur 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit:
Mari März schreibt wie ihr die Schnute gewachsen ist. Gewohnt setzt sie gesellschaftskritische Themen in Szene und leistet dabei eine absolut schnörkelfreie und unverblümte Aufklärungsarbeit. Ich bin sehr froh, dass ich Mari März für mich entdeckt habe und freue mich auf viele weitere Werke dieser außergewöhnlichen Autorin.
 
Anika F./Nikas Lesewahnsinn
Rezension aus Deutschland vom 16. November 2019
Ich sitze hier und muss das echt mal sacken lassen. Dieses Buch ist inspiriert von einer wahren Begebenheit. Mir läuft es eiskalt über den Rücken, wenn mir bewusst wird wie engstirnig, verachtend, grauenvoll, respektlos, intolerant und rassistisch unsere Welt war. Aber halt war sie es oder ist sie es nicht teilweise immer noch?
Wenn man beachtet, dass einige immer noch Menschen für ihre sexuelle Neigung wie Abschaum behandeln. Hallo, wo bleibt bitte unsere hochgelobte Modernität der Gesellschaft?!

Mari März, du hast dieses Buch historisch absolut toll recherchiert. In Berlin gab es homosexuelle Häftlinge im KZ, die für den Bau einer Siedlung zuständig waren und zum Ziel und Gespöt der Offiziere wurden.
Die Protagonisten sind ein homosexuelles Paar. Tom ist Architekt und lebt mit seinem Verlobten Jack in New York. Er erbt ein Haus in Berlin, welches absolut renovierungsbedürftig ist. Sein Verlobter macht sich auf Erkundungstour und kommt mit den Erkenntnissen einer grauenvoll Zeit in Deutschland nach Hause. Das was Jack und Tom leben, war damals hoch verachtet und wurde mit krassen Mitteln verhindert. 1994 wurde der Unzuchtsparagraph abgeschafft, zum Glück. Nur so können Menschen ihre sexuelle Neigung ausleben.

Ich hoffe, dass dieses Buch viele lesen. Es sind lediglich 60 Seiten, aber gespickt mit wichtigen Denkanstössen, Fakten und unglaublich wichtigen historischen Gegebenheiten.
Lasst nicht Ignoranz und Intoleranz im 21. Jahrhundert euer Denken bestimmen. Niemand soll verachtet werden für das wie und was er lebt und auslebt. Jeder von uns hat eine Daseinsberechtigung und niemand, absolut niemand sollte für seine Art Gewalt erleben.
Fangt an und seid weltoffene, toleranter und gesellschaftlicher.

Danke Mari März für deinen absolut direkten Schreibstil und deine Art uns als Leser in deinen Büchern zu fesseln. Du schaffst ds Themen genau richtig auf den Punkt zu bringen und sie unverblümt auf Die Welt los zu lassen. Behalte das bitte bei.
Absolut verdient 5 von 5 Sterne
 
Die Blutbraut
Rezension aus Deutschland vom 8. Dezember 2019
Der Tänzer, so der Titel der Novelle von Mari März. Eine Gay- Geister- Geschichte.
Was hab ich erwartet? Irgend etwas Schnulziges? Etwas Lustiges? Oder etwa eine Gruselstory?

Was habe ich bekommen? Gänsehaut. Synapsenknistern. Bedauern.
Tom ist ein bodenständiger Typ, ein Architekt, der mit Zahlen und Fakten bestens arbeiten kann. Er lebt in New York, mit seinem Liebsten, Jack. Nachdem Tom ein Haus in der Nähe von Berlin geerbt hat, will das Paar den Zustand des Hauses prüfen und besucht Toms alte Heimat.
Nachdem Jack wegen seiner Arbeit wieder zurück fliegt, bleibt Tom alleine in dem alten Haus. Ein Haus, welches in einer dunklen Zeit gebaut wurde. Im Holocaust, wo nicht nur Juden verfolgt, sondern auch Homosexuelle Opfer wurden. Homosexuelle wurden genau wie die Juden zur Arbeit gezwungen, unter schlimmsten Bedingungen. Und dieses geerbte Haus wurde von Homosexuellen Häftlingen in der Nazizeit erbaut. Tom hört plötzlich Stimmen, er zweifelt an seinem Verstand, er geht in sich. Tom sieht den Tänzer, einen Geist, und erfährt alles über das KZ, welches in der Nähe stand. Der Mord an tausenden Andersdenkenden darf nie vergessen werden.

Tom wird geflutet von Emotionen, er durchlebt das Leiden und arbeitet seine eigene Vergangenheit mit auf.
Der Unzuchtsparagraph wurde im vereinigten Deutschland erst 1994 außer Kraft gesetzt- solange galt gleichgeschlechtliche Liebe als strafbar. 25 Jahre ist das her- warum hat sich so wenig geändert? Warum wollen wir die Vergangenheit unbedingt vergessen?

Der Tänzer ist ein Buch gegen das Vergessen.
Ich habe vielleicht etwas Romantik erwartet, ein paar Männerküsse, streichelnde Männerhände... Gespenster in einem alten Haus. 
Was habe ich bekommen?
Einen Schlag in die Magengrube. Geöffnete Augen. Erkenntis.
Das Thema Nazis, Holocaust, Verfolgung ist immer noch aktuell. Wir dürfen es nicht vergessen, nicht denken: das war früher, damit habe ich nichts zu tun. Sonst wird sich das Ganze wiederholen.

Natürlich habe ich auch Liebe bekommen, Zärtlichkeiten und tiefe Gespräche. Diese Mischung hat mich sehr berührt, eine Lovestory, hineingestoßen ist die dunkelste Zeit Deutschlands. Gespickt mit einer geisterhaften Gestalt, die unter die Haut geht.

Mari März, ich muss leider auch Kritik üben. Du hast mich so leer hinterlassen, die Novelle ist zu kurz. Wie kannst du so eine große Geschichte in so wenig Seiten packen? Und doch... hat der Tänzer mich nachdenklich und traurig gemacht, aber auch zuversichtlich und mich dran erinnert, wofür ich dankbar sein sollte.
Lasst euch auf den Tänzer ein, lasst euch besuchen und mitreißen. Nur bedenkt, dass die Geschichte euch nicht direkt wieder loslässt.
 
Heidelinde Penndorf
Rezension aus Deutschland vom 14. November 2019
Ein kleines Büchlein – aber was für eines – Mari März stellt den verpflichtenden moralischen Aspekt ›Gegen das Vergessen‹ in den Vordergrund und erinnert an die bisher dunkelste grausame Geschichte unseres Landes. Einfühlsam und empathisch nutzt sie dazu eine fiktive Geschichte und verknüpft sie gekonnt mit den Verbrechen Hitlerdeutschlands.

Worum geht es? Es geht um das Anderssein – wenn Menschen nicht dem Raster der Werte und Normen entsprechen, die die Gesellschaft festgelegt hat. Mari März macht insbesondere darauf aufmerksam, dass in der Nazizeit Homosexualität aufgrund des Unzuchtparagraphen strafbar war, viele der Betroffenen in Umerziehungslager kamen und oft grausam zu Tode gefoltert wurden. Sie erinnert an die Mordaktion gegen Homosexuelle des Sommers im Jahr 1942 und auch daran, dass der Paragraph 175 bereits im 19. Jahrhundert im Gesetz Akzeptanz fand, dieser während der NS-Zeit verschärft wurde, in der ehemaligen DDR übrigens schon Ende der Fünfziger Jahre gestrichen, aber erst im Juni 1994 im wiedervereinigten Deutschland außer Kraft gesetzt wurde. Da hat sich Deutschland mit der Akzeptanz des Andersseins ziemlich schwergetan. Kein Wunder, dass nur wenige eine Opferrente bekommen und in den Geschichtsbüchern kaum darüber berichtet wird und wenn nur am Rande.

Es gibt eine Stelle im Buch, die hat mich aufhorchen lassen: ›Und auch, dass ein weiteres Mal das Licht zu erfrieren drohte, weil wir unsere Hoffnung verloren, unsere Identität, Das WIE‹. Dieser Satz ist für mich eine Metapher – eine Warnung – das Licht unserer Seele verdunkelt sich, angesichts des rechten Gedankenguts, welches sich in unserem Land verstärkt hat. Es ist das WIE, welches überaus wichtig ist: Wie wir miteinander umgehen, die oft fehlende Akzeptanz des Anderssein, die moralischen emphatischen Werte, die verloren zu gehen scheinen. Deshalb kann nicht oft genug gemahnt werden, nicht oft genug daran erinnert werden, dagegen gesungen, Filme gedreht werden und geschrieben werden, so wie Mari März es mit dieser kleinen Novelle tut. Gegen das Vergessen angehen, denn so etwas darf sich nie wiederholen.

Chapeau Mari März! Das Buch hat meine absolute Leseempfehlung und ich wünsch der Autorin, dass das kleine Büchlein vielen Leserinnen und Leser haben wird.