MEMO

Meine Geschichte in der Anthologie von Sebastian Fitzek

Rezension aus Deutschland vom 14. Juni 2021

... ist sie dann für immer zerstört? Wie viel Leid und Schmerz kann ein Mensch ertragen, bis er sich dazu entscheidet, nicht mehr leben zu wollen? Und damit meine ich nicht, dass jemand Suizid begeht. Man kann auch anders sterben. Indem man sich aufgibt, in eine Welt flüchtet, die surreal ist.

Diese Kurzgeschichte war wie eine Achterbahnfahrt durch tiefe Schluchten, begleitet von einem Ensemble des Wiener Opernballs. Sie war staubig und beängstigend, doch glitzernd zugleich. Glitzer und Staub. Darauf stößt der Leser einige Male und wird sich der Bedeutung erst am Ende bewusst. Wenn es kein Zurück mehr gibt.

Mari März hat eine sehr angenehme Schreibe, verzichtet völlig auf Schnörkel und hat das Wissen dafür, wann es darauf ankommt, sich die Finger beim Schreiben schmutzig zu machen oder Lyrik in den Plot fließen zu lassen. Nichts ist over the top, sondern wohl überlegt und geschickt konstruiert.

Ein Zitat blieb mir besonders in Erinnerung:
"Tante Claudia neben mir hebt lächelnd den Zeigefinger. Ich könnte ihr eines meiner Haare darum wickeln."

Es steckt so viel zwischen den Zeilen, jede noch so beiläufige Bemerkung ist in Wahrheit ein Erkennungsmerkmal. Eine Botschaft. Und eine Bitte an jeden von uns, dass wir jede Seele beschützen müssen, vor allem die unserer Kinder.