Sinnhaftes

 

Mein Leben lang hieß es: "Worüber du so immer nachdenkst." In der Tat ist es eine Menge, worüber ich nachdenke. Irgendwann wird es jedoch zu viel im Kopf, also schreibe ich sie nieder: Meine Sichtweise der Irrungen und Wirrungen des ganz normalen Wahnsinns da draußen, über den man allzu oft sagt: "das ist ja verrückt". Aber was meinen wir eigentlich? Etwas ist nicht ganz gerade, nicht ordentlich, vom System abweichend ... schief gewickelt. Nicht geistig minderbemittelt, nein. Einfach nur nicht der Norm entsprechend. Eben verrückt. Wer generell nur kerzengerade in Reih und Glied steht, sieht die Dinge immer nur aus derselben Perspektive, aus nur einem Blickwinkel. Wer niemals vom rechten Pfad abweicht, weiß nicht, wie schön die Blumen jenseits des Weges blühen. Deshalb bin ich gern ver(-)rückt. Und wer verrückt ist, dem fallen auch ziemlich viele verrückte Dinge auf und ein.

 

Hier nun ein Auszug aus meinen Gedanken. Wer sich hier wiederfindet, dem sei gesagt: Manchmal ist es Absicht, aber niemals böser Wille. 

 

In diesem Sinne ... viel Spaß beim Lesen!

Ihre/Eure Mari März

 

 

Hollywood-Syndrom: Die Sehnsucht nach dem Verfall

 

Wie verzerrt ist unsere Wahrnehmung bereits, können wir überhaupt noch zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden? Meine Gedanken hierzu habe ich in dieser kleinen Reihe mit dem Titel #HollywoodSyndrom zusammengefasst. Heute: Die Sehnsucht nach dem Verfall

Natürlich sind wir in der Lage, unseren Alltag ohne rosarote Brille wahrzunehmen. Oder? Immer öfter lese oder höre ich Sprüche von selbsternannten Agitatoren, wie: »Wo ist denn das Virus? Wo sind die vielen Toten?« Und auch ich ertappe mich mehrfach täglich dabei, unsere momentane Situation zu hinterfragen, wenn ich spazieren gehe, mir ein Eis hole oder Kinder auf einem Spielplatz sehe. Dieser Anblick erinnert so wenig an all die Filme über den Weltuntergang oder die unzähligen Dystopien und Science-Fiction-Romane. Letztes Jahr schrieb ich PLANET DER ALTEN und hätte niemals gedacht, dass die Essenz davon nur ein paar Monate später Realität sein kann. Auch in mir ruft heute bisweilen eine Stimme: »Stimmt das alles wirklich?«

Die Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Jahrtausende glaubten wir an Götter, die es für uns schon irgendwie richten sollten. Und heute? Heute sind wir alle so furchtbar aufgeklärt, dass wir nur noch glauben, was wir sehen, fühlen, anfassen können, dabei hoffen wir genauso auf einen Heiland, der uns rettet, uns die Angst nimmt und ein gutes Gefühl verschafft. Wir sehnen uns nach dem Verfall, nach dem Armageddon, der Apokalypse, wir sind auf der Suche nach der ultimativen Wahrheit, die uns endlich Gewissheit verschafft, dass wir nicht angelogen werden. Erst, wenn sich jemand aus unserem Umfeld infiziert oder stirbt, wüssten wir, dass dieses Virus tatsächlich existiert. Denn nur, was wir mit eigenen Augen sehen, können wir auch begreifen. Oder? In unseren Köpfen sind Bilder von überfüllten Krankenhäusern, leeren Städten, Leichenbergen wie in OUTBREAK, WORD WAR Z, CONTAGION oder THE WALKING DEAD ... Das sind die richtigen Weltuntergangsszenarien, aber nicht doch unser Alltag. Tief in uns drin wünschen wir uns einen Will Smith, der uns das Gegenmittel in einem Keller zusammenbraut wie in I’M LEGEND. Aber unsere Welt ist kein Blockbuster, wir sind keine Statisten im dystopischen Setting eines Hollywoodfilms, wir können unseren Alltag nicht in hübsche Schubladen sortieren, auf denen Schwarz und Weiß steht. Da ist kein Bruce Willis, der alles wieder geradebiegt und da sind auch keine 12 MONKEYS, die einen Virus erschaffen, um ... Ja, warum eigentlich? In diesen Tagen höre ich so manche Verschwörungstheoretiker da draußen, die glauben, am Stein der Weisen geleckt zu haben. Bisher habe ich keine Antwort darauf erhalten, wer denn nun die Sieger dieser Pandemie sind, wenn diese Krise doch handgemacht sein soll. Die Politiker? Die Wirtschaft? Wer sind die Guten, wer die Bösen? Was, wenn es diese Schubladen gar nicht gibt? Was, wenn diese Pandemie nicht so schrecklich ist wie die Spanische Grippe, Pest, Cholera und all die anderen Pandemien in der Geschichte der Menschheit? Was, wenn die Wirklichkeit keine actionreiche Darstellung aus Hollywood ist? Glück gehabt, würde ich sagen. Wir brauchen kein Drama, kein Glitzer, keine überzogene Abbildung, denn unsere Welt ist auch so bunt und schützenswert. Wir müssen eben nur mal genau hinschauen und an uns selbst glauben ...

Eure Mari

Ode an die Sprachkunst! 

Oder: Ich schreibe, also bin ich (Autor)?

 

„Nichts Hohes erreicht der Künstler, der nicht an sich selber zweifelt“, soll einst das berühmte Universaltalent Leonardo da Vinci gesagt haben. Nun könnte man meinen, dass die Maßstäbe vor fünfhundert Jahren noch andere waren und der alte Florentiner heute entsprechend anders denken würde. Aber würde er wirklich? Wie wird ein Mensch zum Genius, zum Virtuosen, zum Star seiner Epoche: durch Mittelmaß, Glück, Marketing? Oder sind nicht vielmehr Attribute wie Leidenschaft, Verstand, Talent, Opferbereitschaft für den nachhaltigen Erfolg verantwortlich … und ein Fünkchen Demut?

 

Selbstredend möchte ich niemandem zu nahe treten, obwohl … eigentlich schon. Also nicht in Person, keinesfalls unter die Gürtellinie und auch niemals im Bösen, doch angesichts der fast schon inflationären Bezeichnung „Autor“ in der digitalen Neuzeit umtreibt mich die Frage: Wer darf sich Autor nennen und wer nicht?

 

Aus dem Lateinischen entlehnt, bedeutet das Wort „auctor“ so viel wie Urheber, Schöpfer‚ Förderer oder Veranlasser – gemeint ist im weitesten Sinne der Verfasser eines Textes. Schön und gut. Also könnte sich im Grunde jeder „Autor“ nennen, der einen Einkaufszettel schreibt oder Tagebuch führt. Aber ist es tatsächlich so einfach? Sollte es wirklich jedem erlaubt sein, sich Autor zu nennen?

 

Manchmal fühle ich mich wie Dieter Bohlen ...

 

Wenn ich beispielsweise in den einschlägigen Internet-Foren oder Communities die mitunter fragwürdigen Diskussionen zur "neuen Rechtschreibung" verfolge, die im Übrigen schon verdammt alt ist, dann wird mir gelinde gesagt schlecht. Und wenn ich darüber hinaus lesen muss, wie selbsternannte Autoren Sätze von sich geben, wie: „Ist mir egal, ob das falsch geschrieben ist. Für mich sieht es so aber besser aus.“, dann schwillt mir die Halsschlagader. Verkommt das Schreiben zum Trend? Ist die Buchveröffentlichung tatsächlich nichts anderes als Mainstream? Bisweilen erinnert die mannigfaltige Explosion der Autorenschaft an die Zeit, als Deutschland mit hoher Nachfrage den Superstar suchte und plötzlich jeder Zweite im Land Sänger werden wollte. Und deshalb fühle ich mich manchmal wie Dieter Bohlen und kann seine legendären Wutanfälle durchaus nachvollziehen, die DSDS seinerzeit so erfolgreich machten. Ein paar Bohl'sche Ausraster später ist der Boom vorbei und die Klasse ist wieder der Masse gewichen, was für die Buchbranche hoffen lässt. 

 

Viele Autoren beschweren sich über die miese Bezahlung und das schlechte Standing. Tja, das alte Sprichwort „viele Köche verderben den Brei“ passt in diesem Zusammenhang wie Arsch uff Eimer. Natürlich hat jeder das Recht, ein Buch zu veröffentlichen. Doch wenn das Angebot quasi die Nachfrage übersteigt, sinken nun mal Preis und Prestige. Wir sollten also kollektiv nicht höhere Reglementierung vonseiten des Staates fordern, sondern mehr Qualität von den Autoren - also uns selbst. Kürzlich habe ich den Begriff „Goldgräberstimmung“ in einem interessanten Diskurs zum Thema gelesen, welcher den derzeitigen Zustand hervorragend beschreibt. Wischt man die gute Erziehung, Diplomatie und politische Korrektheit einmal beiseite, bleibt zumindest für mich die Tatsache übrig, dass im Selfpublisher-Bereich die reinste Anarchie herrscht und im Verlagswesen man die Spreu nicht mehr vom Weizen trennen kann (oder will). Jeder darf sich Autor aber auch Verlag nennen. 

 

Autor oder Einkaufszettelschreiber?

 

Und damit komme ich zurück zur Eingangsfrage und dem Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt verfasse. Als Pedant und Idealist habe ich lange mit mir gehadert, ob ich mit der Veröffentlichung meines Debüts im Jahre 2014 eine Autoren-Website erstellen und in meinen Social-Media-Profilen die Bezeichnung „Autorin“ aufführen soll. Ehrlich gesagt habe ich bis heute irgendwie Bauchschmerzen dabei. Denn ist es tatsächlich so einfach: Ich schreibe, also bin ich (Autor)? Dann müsste ich auch Lehrer sein, weil ich meinem Sohn bei den Schularbeiten helfe … oder Frisör, weil ich meinem Mann die Haare schneide … oder Chirurg, weil ich es fertigbringe, mir einen Splitter aus dem Finger zu ziehen … Okay, das wird gerade etwas pathetisch, doch das Elend in Bezug auf die nicht-geschützten Berufsbezeichnungen ist doch letztlich, dass heute jeder seine geistigen Ergüsse veröffentlichen kann. Grundsätzlich eine gute Sache, ich liebe die Freiheit und möchte sie nicht missen. Aber ähnlich wie bei DSDS glauben scheinbar immer mehr „Autoren“, dass sie über Nacht zum Superstar und Spitzenverdiener avancieren können, wobei die Größe der Erwartungen nicht selten proportional zum fehlenden Anspruch steht. Jaaa, ich weiß, mir steht es nicht zu … Klugscheißen, Arroganz und so.

 

"Stets bemüht" reicht mir nicht!

 

Selbstverständlich liegt es mir fern, über die Qualität der unzähligen literarischen Werke zu urteilen, schließlich habe auch ich nicht am Stein der Weisen geleckt, aber „stets bemüht“ reicht mir persönlich nicht. Immer öfter begegne ich im Netz „Autoren“, die keinen einzigen Satz fehlerfrei schreiben können (von der sprachlichen Qualität einmal abgesehen), die lediglich über einen (fast kriminell) verkümmerten Wortschatz verfügen und denen es scheißegal ist, wenn sie unser Mütterchen Sprache verschandeln. Nehmt es mir nicht krumm, aber in diesen Situationen wünsche ich mir so manches Mal, dass die Barrieren wieder höher werden – in diesem Markt der Sprachschaffenden. Auch wenn es mir dann wahrscheinlich selbst verwehrt bliebe, sehne ich mich nach einer Zeit, in der es lediglich den talentierten und protegierten Schreiberlingen vorbehalten war, ein Buch zu veröffentlichen. Als das hohe Gut, die Sprache selbst, als solches geschätzt und der Umgang behutsam, geistesgegenwärtig sowie voller Ehrfurcht war, stellte der Autor eine (wenngleich nicht immer reiche) Autorität dar – gegenüber seinem Publikum aber auch in Bezug auf sich selbst und sein Schaffen. 

 

Und heute? Ist das Bewusstsein für Sprache verloren gegangen, die Lust am Wortspiel, der Anspruch an die Kunst, mit Worten etwas zu erschaffen? Selfpublisher müssen uns nicht beschweren, wenn dieser Bereich des Buchmarktes auf die egozentrische Selbstverwirklichung und den naiven Wunsch, ab morgen berühmt zu sein, reduziert wird. Es geht mir nicht darum, dass jeder Autor ein Sprachgenie sein muss, auch ist kein Buch perfekt, das betone ich immer wieder. Aber das Ziel sollte doch sein, ein gutes, handwerklich einwandfreies Werk zu schaffen, das zumindest in puncto Rechtsschreibung und Grammatik den Qualitätsstandards entspricht, die der Duden uns vorgibt.

 

Ist das Bewusstsein für Sprache verloren gegangen?

 

Ich wünsche mir noch mehr Autoren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Sprachkunst bewusst sind, diese als solche schätzen und genau deshalb höchste Ansprüche an sich selbst stellen. Wo ist das hehre Ziel geblieben, als Autor etwas Großes für die Nachwelt zu kreieren, das von Dauer ist und mit Beständigkeit nachhallt in den Herzen aber auch in den Köpfen der werten Leserschaft? Ich rede von der Liebe zur Sprache, der Passion, eine wertvolle Geschichte zu erzählen, und dem Drang, der Welt etwas mitzuteilen, weil genau darin der Sinn des Schreibens besteht.

 

Wenn ich beispielsweise die Frage lese „Wie viele Seiten muss ein Buch haben?“, dann frage ich mich ernsthaft, wie viele Bücher der- oder diejenige gelesen hat und in welchem Ausmaß sich mit dem Schreiben tatsächlich befasst wurde. Als Lektorin erhalte ich regelmäßig Anfragen, die mein Herz zum Bluten bringen. Zum Glück genieße ich die Freiheit, Aufträge ablehnen zu dürfen. Man kann nicht jedem helfen. Andererseits muss nicht jeder Sprachschaffende gleich ein Nitzsche, Hemingway, Wilde, Joyce, Schiller, Fontane, Hesse oder Hauptmann sein. Aber zumindest sollte man sich als Autor für die namhaften Größen des entsprechenden Genres interessieren und von diesen lernen (wollen). In meinem Schreibratgeber (so ich ihn denn endlich fertigstelle) werde ich noch näher auf dieses Thema eingehen, doch möchte ich hier vorab den Klassiker der Schreibtipps gern wiederholen:

 

"The most important thing is to read as much as you can, like I did. It will give you an understanding of what makes good writing and it will enlarge your vocabulary."

 

(Das Wichtigste ist, so viel wie möglich zu lesen, wie ich es tat. Es wird Ihnen ein Verständnis von dem vermitteln, was gutes Schreiben ausmacht und es wird Ihren Wortschatz vergrößern.)

 

J. K. Rowling schuf auf einer kleinen Schreibmaschine ein großes Werk - und das nicht nur deshalb, weil sie Talent und Leidenschaft besitzt. Es ist vielmehr die Demut eines Da Vincis, welche uns wachsen lässt. Dieser bittersüße Selbstzweifel, der uns antreibt, besser zu werden.

 

Während ich diese Zeilen schreibe, versöhne ich mich bereits mit dem Gedanken, dass mir einige Autoren still zustimmen, während andere, in höherer Zahl, lauthals oder im Stillen ihr Veto entgegenrufen werden. Aber es hilft ja nichts, es muss einfach raus. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich die Dinge gern auf den Punkt bringe (auch wenn ich dafür meistens einen längeren Anlauf benötige). Deshalb lautet mein Statement, für das ihr mich gern an den Pranger stellen könnt: Wer versteht, dass Worte mehr sind als nur ein Mittel zum Zweck, wer die Schönheit in den Kreationen entdeckt, die Macht der Spannung, die Verantwortung gegenüber sich selbst und seinem Publikum … wer begreift, dass das Schreiben im unmittelbaren Einklang mit dem Lesen steht, der ist für mich - unabhängig von der Quantität der publizierten Werke - ein Autor. Alle anderen sind nur Einkaufszettelschreiber. 

 

Eure Mari März (2016)

 

Hollywood-Syndrom: Die Suche nach dem Traummann

 

Wie verzerrt ist unsere Wahrnehmung bereits, können wir überhaupt noch zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden? Meine Gedanken hierzu habe ich in dieser kleinen Reihe mit dem Titel #HollywoodSyndrom zusammengefasst. Heute: Die Suche nach dem Traummann

 

Ich bin nicht die Erste, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt, und ich werde auch nicht die Letzte sein. Und doch fühle ich mich bisweilen so einsam mit der Erkenntnis, dass es Traummänner nicht gibt. Mit knapp 50 habe ich so manchen Mädelstalk erlebt, in dem es um die berühmten Schmetterlinge im Bauch ging, um weibliche Ansprüche an das männliche Geschlecht. Nicht selten ertappte ich mich in meiner Singlezeit dabei, mir die reale Welt schönzureden und von einem Mann zu träumen, der all meine geheimen Wünsche erfüllt. Aber mal ehrlich: Das Leben ist keine Heile-Welt-Filmkulisse, kein Rosamunde-Pilcher-Roman und auch nicht Fifty Shades of Dingens. Mittlerweile kann ich behaupten, dass ich jahrzehntelang in der Illusion verbrachte, dass es dort draußen meinen Ritter in glänzender Rüstung gibt, der all meinen Vorstellungen gerecht wird. Und ich weiß, dass es Millionen Mädchen und Frauen weltweit gibt, die genau wie ich einst davon träumen. Wir verfallen in Entzücken, wenn wir TITANIC, DIRTY DANCING, PRETTY WOMAN oder all die Cinderella-Adaptionen sehen, in Büchern unserer Fantasie freien Lauf lassen und uns wünschen, einmal so geliebt zu werden wie ... Sucht es euch aus, die Fiktion bietet ob Film oder Belletristik einen riesigen Vorrat an Lovestorys.

 

Bisweilen brauchen wir die Romantik, all jene verklärten Bilder vom Sonnenuntergang, um unseren Alltag ein wenig aufzurüschen.

 

Nicht umsonst gibt es so viele erfolgreiche Romance-Autorinnen. Als Lektorin helfe ich gern dabei, solche Bücher auf den Markt zu bringen. So what?

Nur erlebe ich es leider immer wieder, wie Frauen in meinem Umfeld unter ihrem ganz eigenen Hollywood-Syndrom leiden. Sie fühlen sich einsam, hoffen auf das große Glück und verschließen die Augen vor der Schönheit der realen Welt. Wie oft passierte es mir, dass ich beim Online-Dating auf galante Komplimente in Musterbriefmanier hereingefallen bin, philosophierte, adaptierte ... und mir den entsprechenden Mann in meiner Fantasie zurechtbog, bis von ihm nichts mehr übrig war. Wir Frauen neigen dazu, viel zu viel zu interpretieren und uns pausenlos zu wünschen, dass ein Mann so ist, wie wir ihn gern hätten. An alle, die noch auf diesem Level sind: Vergesst es! Es gibt die eierlegende Wollmilchsau nicht. Keinen Mann, der gleichzeitig kultiviert, potent, intelligent, gepflegt, sportlich, verständnisvoll, muskulös, reich, handwerklich und sexuell begabt, tierlieb, fußballaffin und weiß der Kuckuck was ist. Ich habe irgendwann gelernt, dass ich nur das erwarten kann, was ich selbst zu bieten habe. Niemand von uns ist perfekt, also geben wir uns doch einfach mal mit dem zufrieden, was uns wirklich wichtig ist. Schauen wir doch gelegentlich in den Spiegel und fragen uns, was unsere Stärken aber auch Schwächen sind. Und wenn wir dann eines Tages wissen, wer wir sind und was wir wirklich wollen, dann finden wir auch einen Mann, der zu uns passt. Denn bevor wir unsere ganz eigenen Bedürfnisse nicht kennen, kann sie kein Kerl der Welt befriedigen.

 

In diesem Sinne, Mädels ... Spiegel sind nicht nur zum Schminken da.

Eure Mari

Grenzenlose Begrenzung

… nüscht als Bretter und keine Frage des Präfixes

 

Während die Ossis im Allgemeinen und wir Berliner im Besonderen historisch gesehen weitaus intensiver mit der EINgrenzung zu tun hatten, kann ich als Linkshänder Baujahr 1972 behaupten, dass mich der Begriff „AUSgrenzung“ schon seit Kindertagen begleitet. Vielleicht nicht direkt im Wortlaut, dafür aber mindestens genauso vermeintlich verkehrt wie die Hand, in der ich den Stift, die Zahnbürste, das Weinglas halte (selten in dieser Reihenfolge übrigens).

 

All jene, die den Satz „Toll gemacht, und vor allem mit links“ schon mehr als einmal gehört haben, wissen, dass die BEgrenzung der humanen Wahrnehmung schon ziemlich nerven kann. Insbesondere dann, wenn Menschen eine gewisse Arroganz an den Tag legen, die einfach nur zum Brüllen komisch ist, wenn sie nicht so traurig wäre. Was will ich sagen: Diese Debatte und überhaupt die Fragestellung „Wollen wir sie reinlassen?“ geht mir so was von gegen den Strich. Allein deshalb, weil viele Leute der Meinung sind, sie hätten tatsächlich darüber zu entscheiden, wer aus welchem Grund hierbleiben darf und wer nicht. Nun liegt es mir fern, zum trilliardensten Mal zu wiederholen, was so viele vor mir schon erwähnten, dass wir Gesicht zeigen sollen und ebenjene Menschen (ja, es sind tatsächlich immer und ausnahmslos Menschen, die da zu uns kommen) nicht ausgrenzen. ABER! Ich wäre nicht ich, wenn ich nichts zu meckern hätte. Genau genommen möchte ich zwei Dinge hier heute in die Runde werfen, die mir in diesem Zusammenhang unter den Nägeln brennen:

 

Zum einen ist das – wie erwähnt – die mannigfaltige Arroganz, die sich so gern mit ihrer Schwester Ignoranz in eine Ecke stellt. Wenn ich bei Facebook & Co. lese „ich habe ja nichts dagegen, dass die hierherkommen, aber …“,  dann frage ich mich, warum solche selbstlosen Genies in ihrer grenzenlosen Güte noch kein Bundesverdienstkreuz erhalten haben. Ist das nicht nett? Müsste nicht jeder Migrant und jede Migrantin im Antlitz dieser grenzenlosen Gnade auf die Knie fallen und sofort seine/ihre Muttersprache, Kultur, Vergangenheit oder gleich sich selbst an den Nagel hängen?

 

Und sollte nicht jeder, der sich unverschämterweise erdreistet, ein Stück vom großen Kuchen abhaben zu wollen, sofort umkehren und zurück über das Mittelmeer schwimmen, wenn eine deutsche Hausfrau feststellt: „Ich habe nichts gegen Kriegsflüchtlinge, aber der Rest muss hier keinem auf der Tasche liegen, nur weil er der Meinung ist, hier wäre alles möglich. Die Völkerwanderung hat begonnen und jeder, der es kann, haut sich damit die Taschen voll! Es reicht langsam!“

 

Was genau reicht denn langsam? Die Völkerwanderung hat nie aufgehört, liebe Sittenwächter! Seit ein paar Primaten in Afrika losgelaufen sind, hat sich die Menschheit bewegt, und zwar immer aus denselben Gründen. Aber die blankgeschrubbten Gutmenschen stehen nun (wieder) hinter ihren Gardinen und beobachten die bösen dunkelhäutigen Männer, die sich am Sperrmüll der Vorstadtidylle vergreifen, oder fluchen über die Kinder von „denen“, die im Spielzeugladen um die Ecke was mitgehen lassen. Hey, wie viele Ossis haben nach Mauerfall geklaut, weil sie mit ihren Hundert West in der Tasche den bunten Überfluss zwar anschauen, aber nicht bezahlen konnten?

 

Fassen wir uns also an die eigene Nase, wenn wir schon eingegrenzt hinter unserer Fensterscheibe auf Beobachtungsposten stehen. Und vielleicht erinnern wir uns an die eigene deutsche Völkerwanderung, als 1945 die Landsleute aus Schlesien und Pommern vergeblich an verschlossene Türen klopften … oder aber an 1989, als die Brüder und Schwestern so gar nicht mehr willkommen waren, nachdem an der Berliner Mauer das Licht ausging. Ausgrenzung hat nichts mit der Hautfarbe, Religion oder Nationalität zu tun. Im Gegenteil! Wenn wir die furchtbar egoistischen Flüchtlinge nicht hätten, über deren Schicksal und Qualifikation in puncto Asyl so gern im heimischen Wohnzimmer oder am Stammtisch entschieden wird, dann würden wir uns wahrscheinlich selbst an die Gurgel springen.

 

Denn wenn selbst ein SPD-Chef in Heidenau im Rahmen seiner durchaus berechtigten Rede gegen die  Ausgrenzung den zugegebenermaßen engstirnigen Knallköpfen mit kriminellem Potenzial entgegenruft: „Ihr gehört nicht zu uns, euch wollen wir nicht!", dann macht er im Grunde genommen nichts anderes. Wer andere ausgrenzt, grenzt sich selber ein. Und solange wir uns gegenseitig die Bretter vor die Birne nageln, werden wir die ENTgrenzung nicht vollziehen. Denn die beginnt bekanntermaßen im Kopf und erfährt ihre Wahrhaftigkeit, wenn auch der letzte Biedermann hinter seiner Gardine hervorkommt und sich endlich der Realität stellt: Wir alle sind Bewohner dieses einen Planeten – mit denselben Rechten und Pflichten. Ob nun Aus-, Ein-, Be- oder Entgrenzung – es ist keine Frage der Herkunft, sondern nur des Verstandes und des Herzens.

 

Machen wir also das Beste draus!

Eure Mari, im Herbst 2015

Schüttle deinen Speck!

Frauentag - gestern und heute

 

Es hat sich einiges geändert in den letzten hundert Jahren ... in den Grundrechten, den Gesetzen und - so munkelt man - in den meisten Köpfen. Wenn man bedenkt, dass wir Frauen die volle Geschäftsfähigkeit (bundesdeutsch) erst im Jahre 1977 erworben haben und seither selbständig Verträge unterzeichnen dürfen, ohne unseren Ehegatten zu fragen … ja, da ist scheinbar viel Wasser die Spree hinuntergelaufen.

 

Ich bin mit dem Internationalen Frauentag groß geworden. Erst nach Mauerfall begriff ich jedoch, dass uns die Funktionäre auch in diesem Fall verarscht haben. International war hinter der Mauer damals wohl nichts. Und die Mädels im Westen hatten größtenteils keine Ahnung, was alljährlich am 8. März in ostdeutschen Betrieben und Amtsstuben so abging. Ich kann mich jedenfalls erinnern, dass da jede Menge Alkohol geflossen ist. Was sollten die Männer uns auch schenken – außer Mädchentraube, Pfeffilikör und rote Plaste-Nelken? Es gab weder Rosen noch anständiges Parfüm im sozialistischen Handel zu kaufen, also wurde gesoffen, wie wir es von unseren sowjetischen Freunden gelernt hatten.

 

Und nach der Wende? Nun, da wurde die bundesdeutsche Verwaltung nicht selten von westgermanischen Hinterwäldlern besiedelt, die bisweilen charmant, aber in puncto Gleichberechtigung quasi aus einem Dritteweltstaat kamen. Das verwuchs sich mit der Zeit. Irgendwann konnten wir Frauen unseren Sekt trinken, ohne permanent erklären zu müssen, warum es neben dem Muttertag nun auch noch einen Tag gäbe, an dem wir Mädels feiern dürften. In dreiundzwanzig Jahren, die ich im öffentlichen Dienst gearbeitet habe, ist es mir leider nie gelungen, all diesen Herren zu verklickern, dass der Tag der Emanzipation vom Patriarchat nichts mit dem Tag zu tun hat, den Adolf Hitler dazu auserkoren hatte, ausschließlich die Frauen zu ehren, die für Volk und Vaterland die Soldaten zur Welt brachten.

 

Umso wunderbarer ist es, dass zumindest in Berlin der 8. März als Feiertag gilt und im Landkreis Oberhavel alljährlich die Frauen – ob zugereist oder einheimisch, ob dick, dünn, groß, klein, klug, dumm, Single, Ehefrau, Mutter, Witwe … alle unter einem Dach ihren Ehrentag feiern und niemand nach dem Warum fragt. Und noch erstaunlicher ist das Phänomen, dass bei diesem Event die Stutenbissigkeit ihren Nullpunkt erreicht. Das liegt selbstredend daran, dass die männlichen Artgenossen, die bei einer solchen Party anwesend sind, entweder zwanzigjährige Barkeeper oder aber (meist schwule) Stripper sind. Wer sich ansonsten als Mann auf eine Veranstaltung „Ladies only“ verläuft, ist entweder von der Sorte Schoßhündchen oder einsamer Wolf. Beide Gattungen können bei der Überzahl an Frauen kaum gefährlich werden.

 

Und genau deshalb ist diese Frauentagsparty selbst für mich, die Frauen eigentlich gar nicht leiden kann, eine sensationelle Veranstaltung. Wenigstens dieses eine Mal bewegen wir Mädels uns konkurrenzfrei, müssen weder den Bauch einziehen noch die Möpse hochschnallen. Es ist uns egal, wenn die Frisur nicht mehr richtig sitzt, wir fummeln nicht ständig an unseren Tops und BH-Trägern, wir schminken uns nicht im Klo die Lippen nach. Nein, ganz im Gegenteil! Wir schütteln ausgelassen unseren Speck, fühlen uns frei und benehmen uns wenigstens an diesem einen Abend im Jahr wie emanzipierte Frauen: ohne Zwänge, die wir uns heutzutage größtenteils selbst auferlegen.

 

In diesem Sinne …

Eure Mari März

 

Krissi, danke für die Inspiration. :-)

ARM + MUT = ARMUT?

Verrückte Wahrheiten

 

Als ich gestern während des Abendessens in den Fernsehnachrichten von der Veröffentlichung des so genannten Armutsberichtes hörte, blieb mir doch fast die Stulle im Halse stecken. Was soll das? Wem nützen Aussagen, wie „Die Statistik zeige einen klaren Trend zur Armutsverschärfung …“? Was soll dieses „arm“ eigentlich bedeuten …  hier in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt?

 

Laut dieses Armutsberichts gelten alle Menschen als arm, „deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland beträgt.“ Des durchschnittlichen Bruttoeinkommens in Höhe von über 40.000 Euro im Jahr? 

 

Wird der Wert eines Menschen nach der Größe seiner Brieftasche gemessen?

 

Meine Mutter hat zu DDR-Zeiten mit einem monatlichen Lehrergehalt von ungefähr 700 Mark drei Kinder allein großgezogen … ohne staatliche Transferleistungen und ohne Gejammer. Heute erhält sie nicht viel mehr Rente. Ist sie deshalb arm?

Meine Schwestern hatten in der 1990ern kaum das Geld, ihren Söhnen etwas zum Geburtstag zu schenken. Sie aßen lieber Trockenbrot, um ihrem Nachwuchs die Schokolade und die Klassenfahrt finanzieren zu können. Waren sie deshalb arm?

Ist die alleinerziehende Mutter, die halbtags im Supermarkt an der Kasse sitzt oder im Friseurladen steht, arm?

Sind die Kinder in Deutschland arm, deren Eltern sich lieber um sich selbst und ihre Saufkumpane kümmern, als um Bildung und gesunde Ernährung?

 

Was soll diese Stigmatisierung? Können diese Menschen sich von ebendiesen Schlagzeilen „Die Kluft zwischen armen und reichen Bundesländern nimmt laut Wohlfahrtsverbänden deutlich zu.“ irgendetwas kaufen?

 

Ich selbst habe so einige finanzielle Durststrecken hinter mir. Mit einem monatlichen Einkommen unterhalb des Sozialhilfesatzes ernährte ich mich im Jahre 1997 wochenlang von Reis und Äpfeln, um mir wenigstens meine Zigaretten leisten zu können. Und … fühlte ich mich deshalb arm? Heute arbeite ich 60 Stunden in der Woche, verdiene einen Bruchteil meines früheren Angestelltengehaltes und falle ebenfalls unter dem Begriff „arm“.

 

Ich bin nicht arm!

Und ich verbitte mir, von irgendwelchen Bürokraten so betitelt, abgestempelt und in eine Schublade gesteckt zu werden.

 

Wann hören wir auf, uns mit derart negativen Schlagzeilen selbst herunterzuziehen? Wo bleibt die Motivation für die Mutter von sechs Kindern, die mit staatlichen Zuschüssen mehr Geld hat, als wenn sie arbeiten würde? Was soll aus Kindern werden, die laut irgendeiner Statistik gutverdienender Beamter als „arm“ bemitleidet werden? Warum beginnen wir nicht endlich damit, uns gegenseitig Mut zu machen. Honorieren wir doch endlich die Leistung des Einzelnen, vergessen das Jammern und definieren Armut nicht danach, was ein Mensch im Monat „verdient“.

 

Arm ist nur, wer seinen Mut verloren hat, sich aufgibt und „die anderen“ für sein persönliches Schicksal verantwortlich macht.

 

All jene Friseure, Angestellte im Einzelhandel, Teilzeitkräfte, Hilfsarbeiter und Gelegenheitsjobber, Freiberufler und Selbständige, die mutig und eigenverantwortlich ihr Leben bestreiten, sind verdammt noch mal nicht arm!

 

Liebe Wohlfahrtsverbände, liebe Medien, liebe Politiker (vor allem die, die sich die Solidarität dick und rot auf die Fahne geschrieben haben): Schämt euch für eure dekadente Doppelzüngigkeit und denkt an jene Menschen, die im Bombenhagel ihr Haus, ihre Familie, ihr Hab und Gut verloren haben … in Syrien, im Gaza-Streifen, in Afrika, Afghanistan, auf dem Balkan … in der Ukraine! Denkt an die Überlebenden, die nach Erdbeben, Hochwasser, Dürre, Epidemien, Tsunamis und Hurrikans menschenunwürdig ihr Dasein fristen! Denkt an 1,4 Millionen Kinder, die allein jährlich in Indien verhungern. Denkt an die Millionen, die verrecken, weil ihnen nicht mal das Wasser zur Verfügung steht, mit dem wir mehrfach täglich unsere westeuropäische Wohlstandsscheiße die Toilette hinunterspülen!

 

Denken wir alle an die Menschen, denen es weitaus schlechter geht als uns und daran, wie wir ihnen in der Not helfen können – ohne auch nur einen davon in die Schublade zu stecken, auf der ARM steht.

 

In diesem Sinne …

Eure/Ihre Mari März

 

Home-Office

Blogparade von Claudia Kauscheder

 

Kamerad Zufall hat mich auf die Blogparade „Wie geht’s dir mit dem Alleinsein im Home-Office?“ aufmerksam gemacht, in der die Initiatorin Claudia Kauscheder dazu aufruft, über gute und vielleicht sogar schlechte Erfahrungen im Single-Büro zu schreiben. Die indirekte Einladung hierzu greife ich heute gern auf und berichte, wie es mir seit Oktober 2013 in meiner selbstgewählten Schreibstuben-Askese ergangen ist.

 

Zuallererst möchte ich feststellen: ES GEHT MIR SUPER! Seit knapp 25 Jahren stehe ich nunmehr an der „Stanze“, und ich muss sagen: Das Home-Office ist für mich der Berufshimmel auf Erden. Noch nie war ich so innovativ, kreativ und effizient. Im Vergleich zur Bürogemeinschaft im Angestelltenverhältnis ist die Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden – jedenfalls für mich – das reinste Paradies. Natürlich birgt die Arbeit im Alleingang vielseitige Gefahren … so ohne Kollegen, Chef und Rund-um-die-Uhr-Anweisungen.

 

Welche Vor- und Nachteile hat das Arbeiten im Home-Office und wie gehe ich damit um?

 

Im Aufruf zu ihrer Blogparade zitiert Claudia Kauscheder aus einem Erfahrungsbericht „alleine arbeiten, du kannst es auch Vereinsamung nennen …“ und wirft dabei folgende interessante Fragen auf, zu denen ich gern meinen Senf dazugeben möchte:

 

Fühlst du dich allein?

Niemals – ganz im Gegenteil! Theoretisch kann ich die friedliche Stille der Einsamkeit von 7:30 bis durchschnittlich 14:00 Uhr genießen. Doch die Realität sieht leider anders aus. Nicht selten wünsche ich mir, dass mein Mann einen 20-Meter-Turm auf unser Haus bastelt, damit ich tatsächlich meine Ruhe habe. Denn selbst wenn ich es schaffe, den Haushalt links liegen zu lassen, klingelt zumindest der Postmann … später der Hermes-Bote … zwischendurch das Telefon oder mein Handy. Allerdings werden die nervigen Zeitdiebe weniger. Okay, die mittlerweile etwas eingeschüchterten Mitarbeiter vom Paketdienst kommen dankenswerterweise immer noch, aber wenigstens habe ich nunmehr meine Familie und den engeren Freundeskreis davon überzeugt, dass ich keinerlei Unterhaltung benötige und äußerst ungern mitten im kreativen Prozess unterbrochen werde. Wenn ich beispielsweise mitten im Lektorat einer Dissertation im Fachbereich Philosophie endlosen Schachtelsätzen folge, müssen die weltbewegenden Probleme, wie „Wohin wollen wir dieses Jahr in den Urlaub fahren?“, „Soll ich noch etwas einkaufen?“ oder „Wann treffen wir uns zu Weihnachten?“ warten. Jedenfalls so lange, bis die Schreibphase unterbrochen oder ein Projekt beendet ist.

Auch wenn ich mir einrede, dass Multitasking kein Märchen ist, erreicht ebenjenes Potenzial seinen Höchstwert, wenn am Nachmittag mein Sohn nach Hause kommt … hungrig, mitteilungsbedürftig und mit einem Sack voller Fragen bezüglich seiner Hausaufgaben, Klassenfahrt, Wandertag und/oder Freizeitbeschäftigung. Der Alltag frisst dann die Kreativität, und es ist an der Zeit, endlich meine Mutter zurückzurufen und meinem armen Kind etwas zu Mittag zu kochen, bevor es gegen 16:00 Uhr in die zweite Runde Home-Office geht.

 

Kurzum: Ich war schon immer gern allein. Meines Erachtens ist das die Grundvoraussetzung dafür, im Home-Office erfolgreich und glücklich arbeiten zu können. Ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Eigenmotivation gehört ebenfalls dazu … und natürlich der Wille bzw. das Vermögen, Aufgabenstellungen und Ziele klar zu definieren, effizient umzusetzen und immer wieder lächelnd aufzustehen, wenn man über Steine stolpert, die das Schicksal, die Konkurrenz oder gar man selbst in den Weg geworfen hat.

 

Wenn du von einem Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit gewechselt bist: wie hast du diese Umstellung „verkraftet”?

 

Auch hier trifft das Gegenteil zu: Die Selbständigkeit „bekräftigt“ mich! Nach der viel zu späten Erkenntnis, dass ich mich nicht unterordnen kann, krempelte ich im Sommer 2013 mein Berufsleben um und wagte den Schritt in die Selbständigkeit. Ich habe mir also die Schreibstuben-Askese selbst ausgesucht. Natürlich ist jeder Tag nicht nur eine Erfüllung, sondern harte Arbeit für weitaus weniger Geld. Bei einer Wochenarbeitszeit von 60 Stunden plus und einer Vergütung in der Nähe des Mindestlohns würde jedem Gewerkschaftsfunktionär das Messer in der Tasche aufklappen. Und dennoch: Ich habe es bisher keinen einzigen Tag bereut.

 

Welche Strategien verfolgst du, um nicht immer “im eigenen Sud” zu schwimmen?

 

Der „eigene Sud“ ist in der Tat eine Situation, die es zu vermeiden gilt. Nicht nur, dass die Innovation irgendwann von der Routine verdrängt wird. Es gibt so viel zu lernen, wenn man seines eigenen Glückes Schmied ist. Denn Fakt ist, dass man die Selbständigkeit auf keiner Uni erlernen kann. Die Schule des Lebens spielt da draußen … und clever ist, wer hin und wieder auf den Erfahrungsschatz anderer zurückgreift. Deshalb bin ich in verschiedenen Communities der unterschiedlichen Social-Media-Portale unterwegs, tausche mich dort aus und hole mir meine Feedbacks und Inspirationen auch gern persönlich.  

In meiner Freizeit habe ich das Laufen für mich entdeckt und treffe halbwegs regelmäßig meine realen sozialen Kontakte. 

 

Liebst oder hasst du es, so allein vor dich hinzuarbeiten?

 

Wer jetzt noch glaubt, dass ich das Alleinsein hasse, der sollte meinen Text noch einmal lesen. Natürlich liebe ich es! Wenn ich morgens meinen Tag plane, habe ich abends (meistens) mein Ziel erreicht … ohne Jour-Fixe-Besprechungen, schriftliche Anträge, Hierarchie-Hürden und ohne dass mir irgendjemand reinquatscht (bis auf besagte Zwischenrufe in puncto Urlaubsplanung, Einkauf oder Hausaufgaben). Keine stundenlangen S-Bahnfahrten mehr zur Berliner Friedichstraße, kein Stau auf der A10, kein übelgelaunter Chef, keine anstrengenden Kollegen, kein Klatsch und Tratsch, kein Kantinenessen … und meinem PC ist es wurschtpiepegal, wenn ich ungeschminkt im Schlabberlook mit ihm arbeiten möchte.

 

Wenn du etwas ändern könntest, was würdest du gern tun/lassen?

 

… dann hätte ich mich bereits vor zwanzig Jahren für das Home-Office entschieden. Und wenn der schnöde Zaster nicht wäre, dann würde ich mich ausnahmslos dem Schreiben meiner Romane widmen, die verwaist in meiner gedanklichen Schublade sehnsüchtig darauf warten, das Licht der Buchwelt zu erblicken.

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit 
Eure Mari März alias Marion Mergen, Inhaberin von "korrekt getippt" - DIE TEXTWERKSTATT

Hoch lebe der 1. Mai!

Ein ganz besonderer Feiertag in Berlin

 

Ja, hoch soll er leben! Warum eigentlich? Was bedeutet dieser „Kampf- und Feiertag der Arbeitsklasse“ für uns?

 

Wer in Berlin groß geworden ist, kann sich bestimmt noch gut an die Krawalle am Friedrichshain oder Kreuzberg in den 1990ern erinnern. Hamburger denken an brennende Autos und Straßenbarrikaden in der Hafenstraße der 1980er.

 

Die letzten Zeitzeugen haben den Blutmai 1929 vielleicht noch im Gedächtnis oder dass der 1. Mai ausgerechnet auf Betreiben der NSDAP per Gesetz vom 10. April 1933 zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde.

 

Angehörige der Generation 35+ mit Migrationshintergrund DDR mussten jedes Jahr zur großen Maidemo. Damals war das Demonstrieren noch kein Recht, sondern eher staatlich verordneter Frohsinn. Wer ein langes Wochenende haben wollte, brauchte eine gute Ausrede. Für alle anderen hieß es, kurz nach Mitternacht in der Uniform der Diktatur des Proletariats am vorgeschriebenen Stellplatz sein Wink-Element entgegenzunehmen. Und zu lächeln. Und brav sein rotes Fähnchen vor dem alten Ete und seinem Kabinett der scheintoten Stalinkader zu schwenken.

 

Und heute? Die Jugend, die quasi evolutionär die Lizenz zur Revolution geerbt hat, ist mit Youtube und Instagram so überfordert, dass da keine Zeit für das Kämpfen bleibt. Höchstens für das Feiern.

 

Und wir? Die meisten von uns denken nur noch ans Ausschlafen und die Grillparty am Nachmittag. Wir hoffen, dass sich das Wetter hält und der Spätkauf noch geöffnet hat.

 

Sind wir deshalb Schlaffis, ignorant und übersättigt?

Vielleicht sind wir einfach nur zufriedener und wohlhabender geworden. Die Menschheit entwickelt sich gegebenenfalls doch zu einer Anzahl friedliebender Individuen. Schön wär’s ja. Doch eines sollten wir zwischen Bratwurst und Maibowle nicht vergessen: Nicht für alle ist dieser Feiertag ein freier Tag. Denken wir an die Feuerwehrleute, die Polizisten, die Mitarbeiter der Kraftwerke, die Lokführer, Soldaten, Krankenschwestern, Ärzte, LKW-Fahrer, Altenpfleger … Genießen wir also friedlich unser Feiertagsbier und denken an all die fleißigen Menschen, die für uns heute „an der Stanze“ stehen. Und vielleicht vergessen wir auch nicht die zahlreichen Opfer der Geschichte des 1. Mai. Sie alle sind dafür verantwortlich, dass wir einen wunderschönen Tag verbringen dürfen… na ja, bis auf die Steineschmeißer, Bombenleger und Hakenkreuzfetischisten.

 

In diesem Sinne … allen da draußen einen schönen und friedlichen 1. Mai!

Eure Mari März, 2014

Schuld macht Narren frech 

Respekt ist ausverkauft?

 

Facebook wurde für uns Deutsche entwickelt, oder? 

 

Für mich, als Ost-Germanin, die in eine Schule gehen musste, die nach dem KGB-Chef benannt wurde, grenzt es immer noch an ein Wunder, dass heute jeder seinen Senf überall zugeben darf und kann, ohne gleich nach Bautzen zu müssen. Aber wo hört Freiheit auf und beginnt die Anarchie?

 

Wenn ich mir die Facebook-Einträge und Kommentare so anschaue, sind mittlerweile die wenigsten in einem Deutsch verfasst, das auch nur annähernd an meine Muttersprache erinnert. Aber gut, ich bin da Pedant. Vielmehr sind die Inhalte für andere trotzdem interessant. Da wird geheult, gemault, gemeckert, genörgelt, geschimpft, angeprangert… ja, der Pranger. Es erinnert tatsächlich ein bisschen an die Szenerie des Mittelalters: Der hysterische Mob versammelt sich, um dem Bestraften am Schandpfahl so richtig die Meinung zu sagen, ihn anzuspucken und mit faulem Obst zu bewerfen. Hauptsache, man lenkt mit lauten Rufen vom eigenen schlechten Gewissen und/oder Unvermögen ab. 

 

Nun, ich bin nicht getauft, nur geimpft, aber in der Elberfelder Bibel (Kapitel 14,Vers 7) habe ich einen sehr schönen Spruch gefunden: „Der Spötter sucht Weisheit, doch sie ist nicht da; aber für den Verständigen ist Erkenntnis ein Leichtes.“ In Vers 9 heißt es weiter: „Schuld macht Narren frech […]“, und genau das macht mich langsam echt wütend.  

 

Wenn ich so durch die Internetforen schaue, sind Kommentare wie diese hier immer gewiss: Die da oben haben grundsätzlich keine Ahnung. Das sind doch Betrüger und gehören alle weg. Wer nicht meiner Meinung ist, ist sowieso blöd. Um meine Interessen kümmert sich eh niemand. *heul-mecker+sülz*

 

Nun will ich niemanden bekehren und hier sinnlos argumentieren, dass „die da oben“ weder faul noch doof sind, sonst wären sie nicht da, wo sie sind. Oder dass letztlich jeder von uns Politiker/in werden kann, nur die wenigsten eine schlechtbezahlte 80-Stunden-Woche wollen. Ich möchte auch gar nicht weiter ausführen, wer die lautesten Brüller sind. Wie wäre es denn, wenn wir alle uns öfter an die eigene Nase fassen. 

 

Wenn jeder vor seiner Haustür fegt, wird die Stadt schließlich auch sauber. 

 

Wo ist der Respekt denn nun geblieben? Ausverkauft? Verloren gegangen? Ich denke, wir spülen ihn gerade gemeinschaftlich die Toilette runter.

 

Jeder, der weiß, dass Niveau keine Hautcreme ist, hat längst begriffen, dass wir uns und vor allem der nachfolgenden Generation keinen Gefallen tun, wenn wir alle immer nur maulen und auf andere schimpfen. Wir beschweren uns darüber, dass unsere Kinder keinen Respekt mehr haben und auch sonst kein Interesse am politischen/gesellschaftlichen Geschehen. Ja, wie sollen sie es denn lernen? Von uns, die wir die Lehrer für blöd erklären und auch sonst alles für sinnlos erachten, nur weil unserer Lobby von Regierung und Parlament gerade keine Beachtung geschenkt wird? Woher kommt Politikverdrossenheit, wenn nicht durch unser ewiges Gemecker auf „die da oben“? Wer immer nur nach „oben“ meckert, macht sich letztlich selber klein.

 

Jetzt ist Fastenzeit. Wie wäre es, wenn wir nicht (nur) auf Fleisch, Milchprodukte und Alkohol verzichten, sondern auf das Meckern?! Lassen wir bis zum 19. April doch die Kanzlerin, die Bürgermeister, die Lehrer, die Polizisten, die Feuerwehrleute, Anwälte und Steuerberater doch einfach mal ihren Job machen. Das heißt nicht, dass wir wegschauen und still sein sollen. Nein. Vielleicht legen wir nur einfach wieder mehr Achtung und Wertschätzung gegenüber der Arbeit und Denkweise anderer an den Tag. Vielleicht üben wir uns in konstruktiver Kritik und der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen. Und dann treffen wir uns alle „da oben“... auf dem Berg der Erkenntnis.

 

In diesem Sinne … RESPEKT!

Eure Mari März, im Sommer 2014

Vorsätze = Umsätze

Die Industrie des schlechten Gewissens

 

Knapp sieben Wochen ist das neue Jahr nun alt. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wie sieht es bei Euch/Ihnen mit den guten Vorsätzen aus: alle schon in die Tat umgesetzt, konkret dabei oder schon aufgegeben?

 

Die BILD-Zeitung hat sich – wie jedes Jahr - in Statistik geübt und die TOP-TEN der guten Vorsätze für 2014 zusammengetragen:

 

1. Stress vermeiden oder abbauen (57 %)

2. Mehr Zeit für Familie/Freunde (54 %)

3. Mehr bewegen/Sport (52 %)

4. Mehr Zeit für mich selbst (47 %)

5. Gesünder ernähren (47 %)

6. Abnehmen (31 %)

7. Sparsamer sein (26 %)

8. Weniger fernsehen (16 %)

9. Weniger Alkohol trinken (12 %)

10. Rauchen aufgeben (11 %).

 

Mein Liebling steht auf Platz 1: „Stress vermeiden oder abbauen“. Ganz groß! Erst einmal sei gesagt, dass ich bereits Stress abbaue, wenn es mir gelingt, ihn zu vermeiden. Aber doppelt hält vielleicht besser. Munkelt man. Wie ist das nun aber mit dem Stressabbau?

 

Interessant ist hierzu ein Artikel in der WirtschaftsWoche Online. Hier wird eine Studie der Techniker Krankenkasse zitiert, nach der bei „53 Prozent der Erwachsenen das Leben nach eigenem Empfinden in den vergangenen drei Jahren zunehmend stressiger geworden“ sei. Diese Studie kommt zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass der „Belastungsgrad der Menschen mit steigendem Bildungsgrad und Einkommen zunimmt“. Obwohl, wer freiwillig seine Gehirnkapazität auf die menschlichen Grundbedürfnisse, Castingshows und Realitysoaps reduziert, der weiß letztlich nicht, dass da noch viel mehr geht. Und wer keinem Beruf nachgeht, der hat in punkto Stress schon mal Glück gehabt. Denn der Job ist in Deutschland Stressfaktor Nr. 1, dicht gefolgt von privaten Sorgen, wie der Spagat zwischen Kinderbetreuung, Beruf und Pflege der Eltern.

 

Was also sollen wir tun, wenn wir Stress vermeiden wollen: Dumm werden? Den Job kündigen? Die Kinder verwahrlosen lassen? Die Eltern vergessen? Nur noch RTL2 schauen?

 

Alles Käse, klar. Letztlich kann ich den Stress bzw. dessen Ursache nicht vermeiden. Was ist also zu tun? Um ein Ziel zu erreichen, muss dieses klar definiert sein. Das wird allerdings schon bei dem Begriff „Vorsatz“ schwierig. Denn dieser ist lediglich „das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung“ (Quelle: www.rechtswoerterbuch.de). Das heißt also, wir wissen, dass wir etwas tun wollen, aber wir haben keinen Plan.

 

Wenn man durch Presse und Journale blättert, gibt es jede Menge Tipps. Und nicht nur hier. Wer sich mit allen gut gemeinten Ratschlägen aus Medien, Medizin und Freundeskreis befasst, der baut mit Sicherheit keinen Stress ab. Man könnte sogar böswillig behaupten, dass viele Branchen durch unsere Sorgen richtig viel Geld verdienen. Früher waren es nur die Diät-Ratgeber. Heute boomen Yoga- und Meditationskurse, Beratungs- und Coaching-Agenturen, Physio- und Psychotherapie-Praxen und … Und? Finde ich das dramatisch, unfair, schlecht? Nein! Wenigstens wird einem heute geholfen.

 

Ich finde nur, wenn man wirklich Stress abbauen möchte, dann sollte man diesen Ballast mit der Überschrift „gute Vorsätze“ in den Müll werfen. Wer im Januar eine Liste anfertigt, was alles besser werden soll, der ist im Februar schon genervt, weil die einzelnen Punkte noch kein Häkchen haben. Im März ärgert man sich noch mehr darüber und spätestens im April landen die guten Vorsätze dann schlussendlich sowieso im Papierkorb. Ich denke, eine ganzjährig gemäßigte Grundeinstellung zu sich selbst und zum eigenen Umfeld ist die gesündere Form, sich um sich selbst zu kümmern.

 

Und die gute Nachricht ist: Uns juckt es mittlerweile weniger, dass wir fett und unsportlich sind. Vielleicht setzt sich bei der Gelegenheit auch die Meinung durch, dass man als Frau mit Konfektionsgröße 40 auch noch einen gesunden BMI hat und glücklich sein darf.

 

Schauen wir uns abschließend die TOP-TEN noch einmal an und fassen zusammen: Wenn ich weniger fernsehe, habe ich mehr Zeit für die Familie/Freunde. Dadurch bin ich glücklicher und habe (bestenfalls) weniger Stress, den ich nicht mehr mit Alkohol, Nikotin und Junkfood kompensieren muss. Wenn ich mehr Sport treibe, habe ich mehr Zeit für mich selbst und nehme ab. Voilà!

 

Also, macht euch nicht fertig! Und wer sich trotzdem mit seinen guten Vorsätzen alljährlich plagen möchte, der tut zumindest das Richtige für eine florierende Volkswirtschaft. 

 

In diesem Sinne …

Eure Mari März, im Februar 2014

Von Lebenskünstlern

... und anderen Taugenichtsen

 

Einem lieben Menschen hatte ich versprochen, unter oben genannter Überschrift eine Kolumne zu schreiben. Allerdings schwebte mir bis heute ein etwas anderer Inhalt im Kopf herum. Bis ich eben einen Artikel über Michael Winterhoff und seine niedergeschriebenen Praxiserfahrungen als Kinderpsychiater las. (In Berlin/Brandenburg ist „Psychiater“ übrigens ein Wort, das am Anfang gern mit einem Zett ausgesprochen wird, genau wie Zven, Zündy und Züchologe. Ein preußischer Kalauer, der auch irgendwann einmal den Weg auf’s virtuelle Papier finden musste.)

 

Nun aber zu den Taugenichtsen oder (schicker ausgedrückt) Lebenskünstlern. Unter der Schlagzeile „Eltern ziehen eine Generation von Narzissten und Egomanen heran“ versucht Herr Winterhoff so manchen Eltern klarzumachen, dass weniger manchmal mehr bedeutet. Ich bin zwar keine biologische Mutter, erledige „nur“ tagtäglich deren Job. Insofern weiß ich, wie schwierig es ist, mit anderen Müttern über die Erziehung der Nachhut zu diskutieren. Deshalb reicht es aus, wenn Herr Winterhoff sich hier auf’s Glatteis begibt. Ich möchte heute lieber von dem Endprodukt überschwänglicher Erziehung sprechen.

 

Egal, wann man im letzten Jahrtausend geboren wurde, wir kennen ihn alle: den Prahlhans. Früher wurde er gern als Sandsack benutzt. Heute heißt er Sven-Torben und wohnt in der Maisonette am Fuße des Prenzlauer Bergs in Berlin. So rein als Klischee-Beispiel natürlich. Ich selbst habe solche Exemplare in meiner Single-Zeit im Internet kennengelernt. Dort geben sie sich als Lebenskünstler aus. Was bitte ist am Leben Kunst? Die Kunst ist doch eher, diesen Menschen aus dem Weg zu gehen. Denn schaut man genauer hin, so ist ein Lebenskünstler im wahren Leben oft ohne Job und ohne Brot … wie die berühmte Grille in der Fabel, nur ohne Kunst.

 

Auch aus dem Berufsleben sind sie nicht mehr wegzudenken. Da gibt es Kollegen, die sich bei jeder passenden Gelegenheit so präsentieren, als wären sie allein für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich. Die Arbeit machen in der Regel die anderen. Im Privaten beobachte ich seit einiger Zeit, wie solch ein Taugenichts die Nerven seiner Mitmenschen beansprucht: Er macht überall Schulden. Er schädigt öffentlich den Ruf ehrenwerter Unternehmer. Andererseits postet er, wie er das (geliehene) Geld zum Fenster hinauswirft. Und? Nichts! Gestandene Männer lassen es sich gefallen. 

 

Und genau das haben doch alle Taugenichtse gemeinsam: Niemand zeigt ihnen, wo der Frosch die Locken hat. Deshalb an alle Eltern da draußen: Wir möchten alle nur das Beste, aber BITTE: Wir haben schon genügend Egomanen auf dieser Welt. Setzt euren Kindern auch mal Grenzen! Zeigt ihnen auf, dass ihr Handeln Konsequenzen hat! Bringt ihnen bei, dass nur Verlierer die Schuld immer bei den anderen suchen! Verlasst euch nicht auf den Ethik-/Religionsunterricht, vermittelt selbst jene Werte, die uns Menschen, unsere Gesellschaft erst wertvoll machen! Ehrgeiz, Entschlossenheit, Selbständigkeit etc. sind auch heute noch die guten Attribute. Ein Nein ist noch keine Menschenrechtsverletzung. Eure Kinder brauchen weniger Freiraum, um sich selbst zu entfalten. Sie brauchen vielmehr Regeln, Liebe, Aufmerksamkeit und Verantwortung.

 

Warum haben wir die absurde Vorstellung, dass wir unsere Kinder verstehen müssen?

 

Respekt entspringt nicht aus einem Gleichnis, sondern aus der Toleranz.

 

Männer sind Männer. Frauen sind Frauen. Oder auch umgekehrt. Und Kinder sind Kinder. Wenn wir jeden Menschen als eigenständige Persönlichkeit akzeptieren, ohne diese auf ein Podest zu stellen, gibt es Hoffnung für eine Welt mit weniger ADHS, Burn Out und Psychopharmaka.

 

In diesem Sinne ...

Eure Mari März

MANN vs. FRAU

Warum nicht einfach Mensch sein?!

 

Vor vielen Jahren hat man mich dazu überredet, an einem Frauen-Workshop einer großen Versicherungsgesellschaft teilzunehmen. Ich war 24 Jahre jung und durfte mir anhören, wie gestandene Frauen, berufstätige Mütter, Verkaufsgenies stundenlang darüber diskutierten, sich in der Männerdomäne Vertrieb nicht durchsetzen zu können. Sie sinnierten darüber, wo denn nun der Unterschied zwischen Mann und Frau läge und was Frau tun kann, um wie Mann zu sein. Warum? All diese Frauen schrieben Monat für Monat beneidenswerte Umsatzzahlen. Was also noch?

 

Die Faszination ganz anderer Art kam in Form eines Mannes! Frauen sind cool, Frauen sind kollegial, Frauen sind unbeschwert und durchsetzungsfähig ... aber nur so lange, bis ein Mann auf der Bildfläche erscheint. Dann schaltet unser Hirn im Bruchteil einer Sekunde um auf stutenbissiges Weibchen. Am zweiten Tag dieses Workshops kam nämlich unser Vertriebsleiter für ein Referat. Bis dato war alles schön, dann betrat dieser – nicht mal gut aussehende – Mann den Raum, und mit Frauenpower war sense. Die einen holten ihren Taschenspiegel raus und zogen ihre Lippen nach, die anderen schauten verstohlen zur Nachbarin und fragten sich, wer wohl die Schönste im Lande sei. Zwei Mädels konnten es kaum erwarten, dem Herrn einen Kaffee zu kredenzen, diesen (also den Kaffee) mit zwei Stückchen Zucker zu versehen, die Serviette gerade zu rücken und zu fragen, ob er (also der Herr) noch etwas möchte. Irre!

 

ABER er brachte uns die Lösung auf die Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen Mann und Frau im Geschäftsleben? Ich hätte diesen Mann – obwohl nicht gut aussehend – dafür küssen können, als er sagte: „Sicher gibt es einen Unterschied, und das ist gut so!". Er sprach dann etwa eine Stunde davon, wo diese Unterschiede lägen und erarbeitete mit uns das beliebte Adenauer-Kreuz respektive die männlichen/weiblichen Vor(ur)- und Nachteile. Und es gibt so manche Vorteile! In unserem X-Chromosomen ist ein Verkaufs-Gen, ein Führungs-Gen, wir haben soziale Kompetenz und noch vieles mehr. Warum nutzen wir diese nicht?

 

Viele Frauen stellen ihr Licht unter den Scheffel. Eine ziemlich neue Art von Frauen will wiederum den Männern umliegend das Licht ausknipsen. Und dann gibt es eben noch mehr Frauen, die die besseren Männer sein wollen, weil sie sonst Angst haben, nicht akzeptiert zu werden. Meiner Meinung nach ist das alles Bullshit, vor allem diese ewige Differenzierung zwischen Frauen und Männern. Das beste Beispiel ist doch unsere Bundeskanzlerin. Was wurde sich da das Maul zerrissen. Zumeist im Übrigen von Frauen! Die Frisur, die Klamotten ... "Das kann sie aber gut, obwohl sie eine Frau ist.", "Sollte sie als Frau nicht lieber so oder so entscheiden?"...

Frau Dr. Merkel rockt unser Land, Europa, bietet den USA und jeder Menge Despoten Paroli, und das in Hosen. Diese Frau interessiert sich nicht dafür, ob sie die passenden Schuhe trägt. Sie ist, wer sie ist. Punkt!

 

Fazit: Ob X- oder Y-Chromosomen, ob hetero oder homo, ob blond oder brünett, ob schwarz oder weiß, ob Links- oder Rechtshänder ... ob High Heel oder Jogginghose, ob Armani oder KIK: 

 

JEDER MACHT DAS, WAS ER KANN, DANN KANN AUCH JEDER DAS, WAS ER MACHT.

 

In diesem Sinne ...

Eure Mari März, im November 2013

Genderwahninn

Reich mir mal die SalzstreuerIn!

 

Eigentlich wollte ich diese Kolumne mit „Liebe Leser“ beginnen. Doch diese Wortwahl wäre im 21. Jahrhundert, dem Bewusstseinszeitalter, mehr als Wahnsinn. Also, noch einmal von vorn:

 

Liebe Leser (genderfreie Mehrzahl)!

Ich frage mich, wer eigentlich dieses „I-Anhängsel“ erfunden hat. Wissen Sie es? Wenn man (ich staune, dass da noch niemand offiziell ein „frau“ draus gemacht hat) … wenn man also im Internet recherchiert, stößt man relativ schnell auf eine 25-seitige Abhandlung der Stadt Mainz (Herausgeberin: Frauenbüro) zum Thema „Feminin – Maskulin. Eine Einführung in die geschlechtergerechte Sprache“. Im Abschnitt 1.4. finden wir dort folgenden Text zur  Erfindung des großen „I“:

 

„Anfang der 80er Jahre tauchte es erstmals in der Schweiz auf, das große I als Ersatz für Schrägstriche und Klammern. Die Zürcher Wochenzeitung WoZ machte den Anfang, seit 1986 benutzt auch die tageszeitung (taz) beharrlich und mit großem Erfolg dieses »Binnen-I« genannte Gestaltungselement. Schließlich ging es um den Anspruch, auch nicht-sexistisch schreiben, Frauen nicht länger sprachlich ignorieren zu wollen.“

 

Moment mal! Wir reden hier von der Schweiz, in der Frauen erst seit 1971 wählen dürfen.

 

Nun gut, sprachlich wurden die Frauen in der Schweiz seit den 80ern also nicht länger ignoriert. Nur mussten sie im Kanton Appenzell Innerhoden noch knapp zehn Jahre warten, bis sie wählen durften. Denn das Stimmrecht für Frauen wurde hier erst am 27. November 1990 durchgesetzt. Übrigens gegen den Willen der Mehrheit der (männlichen) Stimmbürger.

 

Zum Vergleich: In der Türkei dürfen Frauen seit 1934 wählen, in Afghanistan (wenn auch mit Unterbrechungen) gibt es ein (relatives) Stimmrecht für Frauen seit 1964. Kennt man am Hindukusch, in Ankara oder generell zwischen Euphrat und Tigris eigentlich ein „Binnen-I“?

 

Auf jeden Fall haben sich die Schweizerinnen, mit kleinem „i“, über ihr „Binnen-I“ gefreut, auch wenn sie auf ein demokratisches Grundrecht, das Wahlrecht, lange verzichten mussten.

 

Schön artig den Mund halten, aber am Frühstückstisch sagen dürfen:

„Schatz, reich mir doch bitte mal die SalzstreuerIn!“.

 

In besagter Mainzer Abhandlung heißt es übrigens weiter:

 

„Das große »I« bot und bietet auch tatsächlich viele Vorteile: Wörter mit großem »I« lesen sich flüssiger als solche mit Schrägstrichen oder Klammern. Rein grammatikalisch gesehen, steht das »Binnen-I« aber an der gleichen Stelle wie ein Schrägstrich. Anders als der Schrägstrich trennt das »Binnen-I« ein Wort nicht in das männliche Grundwort und ein weibliches Anhängsel. Vielmehr betont es die grammatikalisch weibliche Form, denn von einem großen »I« zu einem kleinen »i« ist es rein optisch gesehen nur ein kleiner Schritt. MitarbeiterInnen, AmtsinhaberInnen, OberbürgermeisterInnen, PolitikerInnen, SchriftstellerInnen - die Worte zeigen auf den ersten Blick, dass hier auch Frauen im Spiel sind. Das große »I« ist bislang die populärste Antwort auf den männlichen Normalfall. In den Richtlinien zur geschlechtergerechten Sprache wird diese Lösung allerdings nicht empfohlen.“

 

Also gut, dieses „I“ ist also einfacher als Klammern und Schrägstriche. Aber warum muss es überhaupt existieren? Der Mitarbeiter + die Mitarbeiterin = die Mitarbeiter (Mehrzahl). Hätte das nicht gereicht?

 

Wie viel „I“ braucht eine emanzipierte Frau von heute?

 

Auf der anderen Seite können wir unverheirateten Mädels natürlich froh darüber sein, dass wir in und aus deutschen Amtsstuben seit 1972 nicht mehr mit „Fräulein“ angesprochen werden dürfen. Als ich ganz frisch im öffentlichen Dienst meine „Karriere“ startete, ganz ohne Hierarchieverständnis, jung und naiv, sprach mich ein älterer Beamter mit besagter Anrede an. Ganz im sozialistischen Sinne, frei nach dem Motto „wir sind alle gleich“, erzogen, fragte ich ihn, ob er verheiratet sei. Er verneinte. Daraufhin fragte ich ihn, ob ich ihn dann auch mit „Herrlein“ anreden dürfe? Der hat vielleicht geschaut! Seither war ich die „Dame aus dem Schreibdienst“, was ich auch nicht viel besser fand. Wir schrieben das Jahr 1990, ich war 18 Jahre alt, aufgewachsen im Arbeiter und Bauerstaat. Da gab es weder Damen noch Dienste. So viele Begrifflichkeiten aus der Zeit der Bourgeoisie war ich zu dieser Zeit überhaupt nicht gewohnt.

 

23 Jahre später sieht das natürlich anders aus. Heute bin ich so alt, dass ich jederzeit mit „Dame“ angesprochen werden kann. Manchmal klingt das auch ganz gut. Nur nicht aus dem Mund einer/eines 20-Jährigen.

 

In diesem Sinne …

Eure Mari März, im November 2013

 

P.S. Acht Jahre Wahnsinn später, im November 2021: Mittlerweile kennt der Duden das Wort "Menschin" - ohne Binnen-I und Gendersternchen. Läuft ... Ich frage mich, was im englischsprachigen Raum die Frauen davon abhält, sich das Leben zu nehmen. Als WoMAN sind sie sprachlich gesehen doch zu zwei Fünfteln männlich. 

FEEDBACK-Ecke

Leider haben mich in den letzten Monaten über das bisher hier verfügbare Kommentarfeld zahlreiche SPAMs erreicht. Aber persönliche E-Mails, Kommentare in den sozialen Netzwerken oder aber eine Bewertung auf Amazon & Co. sind letztlich sowieso viel besser. 

 

Wer also irgendetwas zu mir und meinem Schaffen loswerden möchte, kann sich dort gern verewigen und alles rauslassen, was das Herz begehrt ... 

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